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24. November 2011

Dieser Artikel wurde am
24. November 2011 von Corinna Wagner veröffentlicht.

Albanien - Die Geschichte einer 12 jährigen Braut

Ausgeschlossen von Bildung, um im Haushalt zu arbeiten. Um die Realität von Kinderhochzeiten in der Roma-Gesellschaft in Albanien zu illustrieren, möchten wir euch heute ein junges Mädchen vorstellen, das an der REFLECT-Gruppe unseres Projektes teilnimmt: am vergangenen Wochenende, einen Abend nach unserem Unterricht in Fushe Kruja, wurde sie – wir schätzen sie ist 12 Jahre alt – verheiratet.

Sie ging schon seit 2 Jahren mit ihrem nun Ehemann aus, so war sie etwa 10 Jahre alt, als sie ihn kennenlernte. Zu Beginn unserer REFLECT-Stunden war sie sehr glücklich über die Möglichkeit, lesen und schreiben zu lernen, was ihr völlig neue Perspektiven für ihre Zukunft geben würde. Sie ist ein sehr zerbrechliches junges Mädchen und kam seit Beginn des Projektes zu jeder Einheit. Sie ist eine unserer besten Schülerinnen und daher wollten wir sie wirklich ermutigen, ihre Studien nicht aufzugeben. Während der Diskussionen im Unterricht haben wir über frühe Heirat gesprochen und die negativen Auswirkungen solcher Entscheidungen. Sie hat immer am Gespräch teilgenommen und gut zugehört.

Die Hochzeit wurde trotzdem gefeiert. Nach dem Fest konnte sie nicht mehr in unseren Unterricht kommen, da sie nun eine komplette Palette neuer Pflichten als Ehefrau hatte. Sie hoffte so sehr, durch das Lesen und Schreiben bessere Berufsaussichten zu haben, aber nun war ihre einzige Perspektive, irgendwo im Haushalt zu arbeiten oder Altkleider auf der Straße zu verkaufen.

Viele der anderen jungen Mädchen und Frauen, die an den REFLECT-Kreisen teilnehmen, diskutierten diese Ehe und sie realisierten, dass ihre Freundin ihre Chance verloren hatte, nach der Hochzeit noch am Unterricht teilzunehmen. Es zeigt, dass die Zusammenarbeit in der Gruppe und Bildung im allgemeinen der Schlüssel sind, tief verwurzelte Traditionen wie die Kinderehe zu verändern. Es ist nicht einfach, auf eine Eliminierung solcher Praktiken hinzuarbeiten, vor allem, wenn sie in der Gesellschaft so weit akzeptiert sind wie in Fushe Kruje. Die Mädchen, die heiraten, werden nicht immer dazu gedrängt. Sie verlieben sich einfach. Dennoch ist diese kulturelle Praxis ein Hindernis, Frauen zu befähigen und dadurch auch ihre Familien, denn der Zugang zu Bildung ist für verheiratete Mädchen limitiert – ihre erste Aufgabe ist nun der Haushalt.

Diese Geschichte unterstreicht sehr lebendig die direkten negative Auswirkungen, wenn junge Mädchen verheiratet werden: Ausschluss von Bildung, Vorzug der Hausarbeit.

Aber wir entschlossen, dass wir sie nicht aufgeben würden. Wir hatten Glück, ihre Schwiegermutter zu finden, die auch in unserer Schule gelernt hat, und konnten mit ihr darüber sprechen, wie wichtig es für dieses Mädchen ist, zum Unterricht zurückzukehren. Ihre Schwiegermutter hörte uns an und vertraute uns, da sie die Möglichkeiten sah, die die Schule den Mädchen und jungen Frauen eröffnet. So erlaubte sie der jungen Braut, in den Unterricht zurückzzukehren.

Am nächsten Tag erschien die Frischgetraute gut angezogen und mit ein wenig Makeup im Gesicht, saß unter ihren Freundinnen und wartete darauf, dass der Unterricht beginnen würde.

Die jungen Roma-Frauen aus Fushe Kruja werden vielleicht weiterhin in jungem Alter heiraten, obwohl wir es geschafft haben, diese 12 Jahre alte Braut zurück in den Unterricht zu bringen. Aber wir möchten, dass sie verstehen und sich bei ihren Kindern daran erinnern werden, dass es wichtig ist, “Kinder Kind sein zu lassen“. Wir müssen weiterhin die Bedürfnisse der Frauen ansprechen und unser Augenmerk auf die Rechte von Kindern und Frauen lenken.

Wir freuen uns, dass die Stadt Wien dieses Projekt unterstützt - Werden auch Sie Teil dieses Projektes dank Ihrer Spende!

Verwendungszweck: Albanien - Frauen Alphabetisierung