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19. Dezember 2011

Dieser Artikel wurde am
19. Dezember 2011 von Corinna Wagner veröffentlicht.

Haiti - Am Bedürfnis der Menschen

Aus den von ADRA Österreich geplanten Toiletten mit Biogas-Anlage hat sich in den vergangenen Monaten ein Wasser- und Hygieneprojekt mit einem Budget von rund 925‘000 EUR entwickelt, das durch das ADRA Netzwerk gemeinsam finanziert wird. Ing. Marcel Wagner, Leiter von ADRA Österreich, hat die technische Gesamtleitung dieses Projektes übernommen.   Von seinem Besuch in Haiti im Oktober, bei dem gemeinsam mit dem Team vor Ort die Designs von Wasserzufuhr, Wasserablauf, Toiletten und Waschgelegenheiten geplant wurden, berichtet er:

„Im Gespräch mit der Bevölkerung habe ich bemerkt, wie die Diskussion um den Typ der Toiletten aus ganz existenziellen Ängsten hitzig wurde. Zuerst wollten alle Familien eine Sitztoilette wie wir sie auch hier in Österreich haben. Beim Rundgang durch den Ort wurde aber schnell klar, dass solche in der Regel nicht mehr benutzt werden, sobald sie unsauber sind oder stinken. Wasser zum Spülen muss ja im Eimer herangeschleppt werden und ist daher rar. Zusätzlich haben die Menschen gerade bei öffentlichen Toiletten große Angst, sich mit Cholera zu infizieren. Unser Schwerpunkt werden daher, wo vom Platz her möglich, individuelle Toiletten sein. Da ADRA auch Waschgelegenheiten für Familien bereitstellen wird, erklärten wir mit Blatt und Stift mitten im Dorf die Vor- und Nachteile verschiedener Modelle und einigten uns auf ein neues Modell einer Stehtoilette, die das Infektionsrisiko reduziert, mit daneben eingeplantem Platz zum Duschen. Das Duschwasser kann so doppelt genutzt werden und hilft beim Ablaufen, die Toilette sauber zu halten. Die Dusch-Toilette ist nur über dem Toilettenbereich überdacht, damit die Sonne den Raum trocknen kann. Eine Woche nach meiner Rückkehr berichtet mir unsere Projektleiterin vor Ort, dass von Tag zu Tag mehr Anwohner bei den ersten Modelltoiletten vorbeikommen, um das neue Design zu sehen und begeistert auch um solch eine Toilette bitten, die es in Haiti zur Zeit noch nicht gibt. Der Bau einer Hygiene-Infrastruktur ist besonders an den küstennahen Gebieten mit Staunässe im Boden sehr heikel, da das Grundwasser nicht verunreinigt werden darf.

Wir setzen alles daran, um für die von Problemen gebeutelten Menschen in Haiti möglichst praktische und langfristig funktionierende Lösungen zu erarbeiten, die ihre Lebensqualität verbessern.“