„Ich bin gekommen, weil mich interessiert zu hören, was die anderen so machen“.

„So schön, dich endlich mal persönlich zu treffen!“.

„So ein Projektbesuch, da wäre ich gerne mal dabei!“

Es gab viele Gründe, am 14. Oktober 2017 in die Adventgemeinde Wien Kagran zu kommen. Denn an diesem Tag war der 25. Geburtstag von ADRA Österreich. Ein Anlass, zu dem langjährige Weggefährten der Kirchengemeinschaft, Spender, Unterstützer, aber auch Interessierte und neue Gesichter zusammenkamen, um die Erfolge von ADRA der vergangenen 25 Jahre zu feiern.

Der Ursprung von ADRA Österreich fußt auf dem Engagement der Siebenten-Tags-Adventisten, die 1903 ihre Geburtsstunde in Österreich haben. Seitdem haben die Glieder der Kirche durch das Wohlfahrtswerk der Adventmission viele bedürftige Menschen erreicht. Schon im Protokoll der 1. Konferenz des Österreichischen Missionsfeldes aus dem Jahr 1907 heißt es: „Mit Rücksicht auf unsere Pflichten den Armen gegenüber beschließen wir eine zentrale Armenkasse des Missionsfeldes zu gründen und zu diesem Zweck gleich in dieser Versammlung eine Kollekte zu veranstalten. Wir ermuntern die Geschwister unserer Gemeinden, nicht auf die monatliche Kollekte für die Armen zu vergessen …“

Um diesen Gedanken weiterzutragen, und bedürftigen Menschen auf der ganzen Welt zu helfen, wurde am 20. Oktober 1992 die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Österreich gegründet.

Seitdem sind durch euren persönlichen Einsatz, eure treue und großzügige Unterstützung und mit Gottes Segen all die vielen Hilfsprojekte überhaupt möglich geworden. Dies wollen wir zu unserem 25. jährigen Jubiläum gemeinsam mit euch feiern – und neben dem Rückblick auch einen Blick in die Zukunft werfen.

Ein Rückblick

Die ersten Fotos des sozialen Engagements der Adventgemeinden in Österreich entstanden im Jahr 1946. Die „Liebesgabensendungen“ von Adventisten aus Amerika erreichten in der Nachkriegszeit unsere Gemeinden. Die erhaltenen Güter wurden besonders mit verwaisten Kindern und kinderreichen Familien geteilt. Beeindruckende Bilder aus dem Hotel Cobenzl zeugen von Weihnachtsbeschenkungen mit bis zu 600 Kindern. Sie erzählen von gelebter Nächstenliebe in einer für alle schwierigen Zeit!

1956 setzte man sich für Menschen ein, die aus Ungarn geflüchtet waren. In den kommenden Jahren entstanden Kleiderkammern in verschiedenen Städten und wurden durch euer persönliches Engagement und das eurer Eltern und Großeltern für viele zur Anlaufstelle.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs lag der Schwerpunkt der Arbeit in den neunziger Jahren auf der Osteuropahilfe. Zahlreiche Hilfstransporte wurden durchgeführt, mit denen viele unter euch lebhafte Erinnerungen verbinden: Sei es das Sammeln und Sortieren von Hilfsgütern, das Verladen, der Transport, die Verteilung. Jugendliche reisten nach Nepal, Mauretanien und zwei Mal nach Rumänien, wo sie bei der Renovierung eines Waisenheims mithalfen.

Seit 2002 trägt ADRA Österreich das Spendengütesiegel. In dieser Zeit gewinnt auch der Sektor Entwicklungszusammenarbeit – Hilfe zur Selbsthilfe – einen größeren Schwerpunkt in ADRAs Arbeit. Dank eurer Spenden konnten erste Projekte in Äthiopien und Mauretanien realisiert werden. Besonders intensiv unterstützen eure Spenden weiterhin die Menschen in Osteuropa. Ein Schwerpunkt war die Roma-Siedlung in Kjustendil, Bulgarien. Viele von euch haben lange Jahre für den Bau von Wohneinheiten gespendet, halfen bei Baueinsätzen, Hilfstransporten oder der Verteilung von Weihnachtspackerln an die Kinder vor Ort. 2009 wurde dank eurer Spenden das Kinderheim in Smila in der Ukraine eingeweiht.

In diesen Jahren hat sich ADRAs Hilfe bis nach Asien ausgeweitet. Durch den Bau von Brunnen und medizinische Betreuung unterstützte ADRA mehrere Jahre die afro-indische Bevölkerung in Karnataka, Indien.  2005, nach dem Tsunami in Südostasien, konnte sich ADRA dank eurer großzügigen Spenden und öffentlicher Förderungen für die betroffenen Menschen in Sri Lanka einsetzen und den Wiederaufbau unterstützen.

ADRA Kläranlagen in Sri Lanka

Im Frühjahr 2012 hat ADRA Österreich gemeinsam mit der Verwaltung der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten die Räumlichkeiten von der Nußdorfer Straße in die Prager Straße 287 im 21. Bezirk Wiens verlegt. Im selben Zuge wurde auch das ADRA Lager von Spillern (NÖ) auf das Bürogelände übersiedelt.

Dank der treuen und sehr großzügigen Spenderinnen und Spender engagiert sich ADRA heute intensiv in der Entwicklungszusammenarbeit, um Not nachhaltig zu überwinden. 2014 hat ADRA Österreich erstmals eine Förderung durch die Europäische Union erhalten und entwickelte in den folgenden drei Jahren Marktsysteme und Landwirtschaft mit 16.000 Kleinbauern in Nepal. Das Projekt war ein großer Erfolg, denn heute können viele Männer, die im Ausland arbeiteten, wieder an der Seite ihrer Familien in den Bergen Nepals ein Einkommen verdienen.

Auch die letzten Jahre konnten wir dank eurer Großzügigkeit mit unmittelbarer Nothilfe nach den Erdbeben in Haiti und Nepal helfen, Wiederaufbau nach Wirbelstürmen leisten und Hunger lindern.

Der Glaube an Gott drückt sich in aktiver Nächstenliebe aus

Mit der Flüchtlingsbewegung, die 2014 auch Österreich erreichte, bekam die soziale Arbeit der Adventgemeinden einen neuen, aktuellen Schwerpunkt. Dank eures großen persönlichen Einsatzes wurden die Adventgemeinden zu Anlaufstellen. Geflüchtete Familien erhalten heute Lebensmittel, Kleidung, schließen Freundschaften beim Sprachunterricht und verschiedensten gemeinsamen Aktivitäten. Einige von ihnen haben dabei auch Gott kennenlernen dürfen und sind heute Gemeindeglieder. Wir freuen uns sehr!

Das Jubiläum

Anlässlich des Festgottesdienstes und der 25-Jahr Feier am Nachmittag des 14. Oktobers, trafen sich viele ADRA-Ortsgruppenleiter, ehemalige Helfer, Mitarbeiter und Spender und blickten gemeinsam auf Erfahrungen und Segnungen zurück.

Christian Grassl, Pastor und Vorsitzender der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Österreich sowie von ADRA Österreich, hob in seiner Predigt das Helfen, soziales Engagement als Teil des gelebten Glaubens hervor. Am Nachmittag zeigte er Bilder vom frühen sozialen Engagement der Adventisten in Österreich.

Jonathan Duffy, Präsident von ADRA International, dankte in einer Videobotschaft allen UnterstützerInnen von ADRA Österreich: „Ich erinnere mich an David, der es mit Goliath aufnahm und wie eine relativ kleine Person einen Riesen besiegen konnte, weil sie Glauben hatte. Genau wie ADRA Österreich – ein relativ kleines Büro – das aber bedeutende Dinge weltweit bewegt hat. Ihr alle als Unterstützer, Helfer und ADRA Botschafter habt ADRA zu einem wundervollen Dienst gemach, … zu einem Zeugnis in eurem Umfeld.“

Während der Feier ließen ehemalige und aktuelle Helfer aus ganz Österreich die Gäste an ihren Erfahrungen aus dieser Arbeit teilhaben: Mit Flüchtlingen, in der Kleiderausgabe und Obdachlosenbetreuung, im ehemaligen „Schatzkammerl“ Geschäftslokal in Wien, im Rahmen der Weihnachtspaketaktion oder beim Besuchsdienst in einem Wiener Behindertenheim. Schnell wurde klar: Anderen helfen verändert auch das eigene Leben! Die am Nachmittag von Susanne Fesl vorgestellte Projektidee, über medizinische Primärversorgungszentren in Zukunft auch die österreichische Bevölkerung zu erreichen, forderte alle Anwesenden heraus, Synergien zwischen adventistischen Institutionen und Vereinen zu bilden.

Der langjährige ADRA Leiter Walter Macher erinnerte an ADRAs Einsätze in der Romasiedlung Kjustendil/Bulgarien: „Das Leben der Roma in Kjustendil hat sich verändert!“ Mit Bildern der Tsunami-Hilfsprojekte in Sri Lanka und dem Bau des Kinderheims in Smila/Ukraine bedankte er sich bei allen Helfern aus dieser Zeit.

Entwicklungszusammenarbeit heute und morgen

Wie auch in den letzten Jahrzehnten ändern sich die Herausforderungen, denen sich ADRA als Hilfsorganisation stellt. Marcel Wagner, Leite
r von ADRA Österreich, zeigte aktuelle Trends auf: Nothilfeprojekte nehmen zu während vielerorts staatliche Förderungen gekürzt werden. Der Klimawandel macht die Landwirtschaft in vielen Regionen der Welt herausfordernd. Deshalb unterstützt ADRA Kleinbauern, sich zum Beispiel durch Bewässerung den unregelmäßigen Regenfällen anzupassen. Auch immer mehr Jugendliche leben in Konfliktregionen und brauchen Zukunftsperspektiven. Entwicklungszusammenarbeit ist heute auch in Städten gefordert, da Menschen weltweit vom Land in Ballungsräume ziehen. Gerade dort nimmt die Verelendung von Kindern zu.

Euch allen ein großes, herzliches DANKE!

Als Team und Vorstand von ADRA Österreich bedanken wir uns bei euch! Eure Unterstützung, eure Spenden, euer persönlicher Zeiteinsatz als Helfer gestern und heute war und ist ein lebendiges Zeugnis eures Glaubens! Wir setzen uns mit aller Kraft ein, gemeinsam mit Euch weiterhin die Welt zu verändern – ein Leben nach dem anderen!