Dienstag — ein neuer Morgen. Heute ist die Luft klar, so sehe ich nach dem Frühstück beim Blick aus dem Fenster den Mount Muhabura — ein 4.127m hoher Vulkan. Wow. Es ist kühl am Morgen, so um die 17 Grad. Hätte ich nicht erwartet, zumal in Wien alle bei 36–38 Grad schwitzen.

Uganda Mt Muhabura

Heute vormittag geht es zu einer Siedlung mit Batwa Familien, die gerade am Fuße dieses Vulkans leben. Vorbei kommen wir an einer typischen Wasserstelle, lange Schlangen davor — von dieser Wasserstelle werden wir später noch hören. Langsam winden wir uns mit dem Auto in Richtung der Siedlung, der Rest geht zu Fuß.

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Etwas unterhalb der Siedlung treffen wir uns mit den jungen Frauen und Männern, die an unserem Projekt teilnehmen. Eigentlich hätten sie heute morgen auch Unterricht im Schreiben haben sollen, aber das ganze Dorf ist in Aufruhr. Einer der Nachbarn drängelt sich in ihr Land hinein. Er hat einfach unrechtmässig angefangen, das Land bis ganz dicht an einige Hütten umzugraben, um dort etwas anzubauen. Und das Land war ihnen zugeteilt. Sie hatten jetzt gerade Pläne gemacht, hier etwas anzubauen. Und sollten von ADRA ja auch Saatgut bekommen. Es gab einen Konflikt und der Nachbar beschuldigte heute morgen einen der Batwa-Männern, dass dieser ihn mit der Machete in die Hand verletzt habe. Die zwei Männer und ein Teil der Dorfbewohner sind weiter unten am Hang bei der Polizei — und wir merken, wie sehr das Thema LAND die Frauen und Männer hier aufwühlt!

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Die Diskussion ist aber auch sehr ermutigend für uns. Dank unserer Ausbildung haben die Batwa verstanden, dass sie sich in solchen Fällen an die Polizei wenden können. Und wenn sie von jemandem unfair behandelt werden, können sie auch in Berufung gehen.

Was ist die größte Veränderung für euch, die das ADRA Projekt bisher bewirkt hat? — das fragen wir sie.

Allen, die Leiterin der Jugendgruppe sagt: Sie hat angefangen, Kartoffeln und Karotten anzubauen — die haben sie und ihre Kinder sehr gern. Bislang leben die Familien hier von Gemüse, dass sie in Gärten anderer Familien nach der Ernte aufklauben, und zum Teil auch als Mundraub vorher mitnehmen … wenn sie Hunger haben und keine andere Möglichkeit sehen. Eine andere Frau erzählt uns, wie froh sie ist, nun Straßenschilder lesen zu können, wenn sie unterwegs ist. Das hilft ihr bei der Orientierung und dabei, die richtigen Stellen (zum Beispiel Geschäft, Arzt, Krankenhaus) zu finden.

Wie lebt ihr hier? Könntet ihr mir eure Siedlung zeigen? Das machen sie gern und es ist berührend, mehr Einblick in ihren täglichen Überlebenskampf zu bekommen.

Uganda_Batwa_ADRAAllen vor ihrer Hütte, in der sie mit ihren 3 Kindern lebt. Sie ist 30 Jahre alt, Witwe. Um ihre Kinder ernähren zu können, arbeitet sie wann immer es geht als Tagelöhnerin auf den Feldern anderer Menschen. Wenn sie einen ganzen Tag arbeitet, erhält sie ungefähr 0,77 Euro dafür … oder sie wird in Naturalien bezahlt. Wieviel? Meist in Kartoffeln. Der Tageslohn wäre dann einer oder eineinalb solcher Körbe Kartoffeln … Ein besonderes Highlight ist es, wenn sich die Familie mal ein paar Bohnen dazu leisten kann, oder ein paar grüne Spinatblätter. Nur damit ihr den Tageslohn einschätzen könnt … eine Ananas kostet etwa 1 Euro …

Wie steht es mit dem Wasser? Für die Regenzeit hat die Siedlung einen Regenwassersammeltank mit einem Dach darüber — das funktioniert in der Regenzeit. In der Trockenzeit müssen sie bis hinunter in den nächsten Ort laufen (erinnert ihr euch an das Foto der Wasserstelle?), dort lange anstehen, denn als Batwa werden sie oft diskriminiert, viele andere drängeln sich vor, und müssen dann den schweren Wasserkanister viele Kilometer wieder zurück schleppen. In der Regel sind sie dafür von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr Mittags unterwegs. Allen hat erzählt, dass sie manchmal zu spät von der Arbeit zurückkommt, um sich noch an der Wasserstelle anstellen zu können. Dann muss sie einen Kanister voll Wasser kaufen (20l) und zahlt dafür die Hälfte ihres Tageslohns. …