SIMBABWE: „Wenn man eine Schnur mit drei Knoten um die Taille trägt, verkürzt dies die Menstruation auf drei Tage.“ Das Thema Menstruation ist ein Tabu in den Dörfern im Norden Simbabwes. Noch dazu ist es mit vielen Mythen belegt.

Die meisten Frauen versuchen, die Tage während ihrer Periode in der Nähe eines Flusses zu verbringen, damit sie sich regelmäßig waschen können. Sie haben in der Regel keine Hygienebinden zur Verfügung. Sie nutzen Stofffetzen, Rinde, Blätter, Maiskolben, um den Blutfluss irgendwie aufzufangen. Eine höchst unangenehme und unwürdige Situation in einem Umfeld, in dem niemand über die Menstruation spricht. In dem niemand gelernt hat, was der Zyklus eigentlich ist und wie er funktioniert.

Hygienebinden sind in dieser sehr entlegenen Gegend kaum zu bekommen. Und wenn ja, dann sind sie schier unerschwinglich. In einem Land wie Simbabwe, in dem so viele Dinge des Alltags importiert werden, sind Hygienebinden teurer als bei uns in Österreich. Einer Familie auf dem Land stehen aber oft nur z. B. 20 Euro im Monat zur Verfügung, um die dringendsten Dinge wie Öl und Salz zu kaufen. Kaum eine Frau würde von ihrem Mann die Dollar in die Hand gedrückt bekommen, um sich jeden Monat Hygienebinden zu kaufen.

Dank Ihrer Spenden dürfen wir hier etwas tun! Diese jungen Frauen und ein Mann haben gelernt, wie sie waschbare Hygienebinden nähen können. Und Höschen dazu. Sie haben ein einfaches Design gewählt, ähnlich einer Bikinihose, das man an den Seiten binden kann – so können sie die Größe den Trägerinnen anpassen.

Dann nähen sie einen Halter – eine wasserundurchlässige Schicht, die mit Klettverschluss am Höschen befestigt wird und in die man waschbare Fleece-Binden einlegen kann. Diese sind absichtlich in dunkler Farbe, so dass man sie waschen und unauffällig in der Sonne aufhängen kann, damit sie hygienisch bleiben.

Ein solches Set zusammen mit der Ausbildung kostet 14 Euro – und Sie verändern damit das Leben einer Frau! Der Schulbesuch wird  möglich, auch während „der Tage“. Die Frau oder das Mädchen kann am Alltagsleben im Dorf teilhaben – es ist nicht mehr ständiger Scham ausgesetzt.

Diese jungen Trainer werden nun in den kommenden Wochen und Monaten hunderte junge Frauen in den Dörfern ausbilden, dass diese selber Hygienesets nähen können. Material für den Start haben sie erhalten. Gleichzeitig lernen sie, die Preise zu kalkulieren für das Material, ihre Arbeitszeit, um später Binden auch verkaufen zu können und so ein kleines Einkommen zu generieren. Die Nachfrage ist groß!

Und Hut ab – trotz des Tabus haben die jungen Frauen mutig auf dem Dorfplatz die Hygienesets präsentiert. Sie haben den Menstruationszyklus erklärt. Wer von Ihnen hätte sich das so einfach getraut?

Chengetai hat mich bewegt und inspiriert! Während unseres Gesprächs sagt sie, dass sie von ihrem zukünftigen Verdienst vom Verkauf der Hygienebinden gerne  Waisenkindern und Witwen helfen möchte. Wenn wir in wertvolle Menschen investieren, investieren diese in Andere! 

Um zu lernen, wi man Hygienesets näht, hat Chengetai übrigens zum allerersten Mal die weite Reise in Simbabwes Hauptstadt Harare angetreten. Eine sehr spannende Erfahrung, von der wir beim nächsten Mal mehr erzählen. Bleibt dran!

Corinna Wagner

Das Projekt wird kofinanziert durch

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