Am 28. und 29. Dezember 2020 verursachte ein Erdbeben große Schäden in der Stadt Petrinja und der Region Glina. Es ist eine der ärmsten Regionen Kroatiens. ADRA war als eine der ersten Hilfsorganisationen vor Ort. Wir haben mit Slavica Marcheta, der Leiterin von ADRA Kroatien, gesprochen.

Slavica, wie hast Du das Erdbeben und Situation danach persönlich erlebt?

Als das Erdbeben passierte, war ich mit meiner Familie im Haus. Wir liefen schnell nach draußen und ich kümmerte mich zuerst um meine Kinder, meine Kollegin Dubravka und ihre Familie. 

Als sie in Sicherheit waren, rief ich sofort an und versammelte das ADRA Team, weil ich gespürt hatte, dass dies das bisher stärkste Erdbeben war und die Folgen weitaus größer sein würden als im Frühjahr.

Wir hatten keinen Strom, keine Heizung und ich lud mein Handy im Auto auf, damit ich sofort alles organisieren konnte, um schnell in den Bebenbereich zu gelangen. Ich hatte keine Zeit zum Nachdenken, es musste schnell gehandelt werden, weil viele Menschen ohne Zuhause waren. Es war kalt und es regnete noch dazu.

In den folgenden Tagen gab es so viel Arbeit, dass ich 20 Stunden am Tag arbeiten musste, um den vielen Betroffenen helfen zu können. 

Was waren die größten Herausforderungen?

Die größten Herausforderungen bestanden darin, wie ein Büro mit zwei Mitarbeitern die Leitung und Verantwortung für einen Nothilfeeinsatz in anfangs 9 und später in Summe 20 Dörfern übernehmen kann. Es war auch wichtig, Mitarbeiter zu finden, die kompetent und mutig sind, die ADRA kennen und sofort anfangen können. 

Der Boden zitterte ständig und zittert immer noch. Jeder Mitarbeiter geht während der Arbeit ein großes Risiko ein.

Was habt ihr bisher erreichen können?

ADRA koordiniert die humanitäre Hilfe in 20 Dörfern. Wir decken die Bedürfnisse aller Menschen in der Region vollständig ab. Wir haben auch eine ganze Reihe von Dächern an Wohngebäuden und Scheunen repariert.

Wir haben ein Callcenter, über das psychosoziale Unterstützung geleistet wird und der regelmäßige Kontakt zu den Haushalten aufrechterhalten wird.

Wir haben drei Lagerhäuser organisiert, in denen wir materielle Unterstützung erhalten, die jeden Tag gezielt und systematisch an die betroffenen Haushalte geliefert und verteilt wird.

Wir waren bereits mehrere Male im nationalen Fernsehen und in den Hauptnachrichten.

Welche Hilfe wird aktuell benötigt?

Im Moment sind Baumaterialien für uns von großer Bedeutung, um die Dachreparaturen fortzusetzen, damit möglichst viele Familien so schnell wie möglich wieder in ihre Häuser zurückkehren können.

Es besteht auch ein großer Bedarf an psychosozialer Unterstützung, da die Menschen große Angst vor den Erdbeben haben, die nicht aufhören. Sie müssen der Tatsache ins Auge blicken, dass der Wiederaufbau nicht so schnell gehen wird und dass sie längere Zeit in Containern oder in unsicheren Häusern leben müssen.

Was magst Du uns noch mitteilen?

Wir möchten den Menschen in Österreich für die großzügige Unterstützung danken. Wir bedanken uns auch von ganzem Herzen bei ADRA Österreich für Rat und Hilfe. Dies ist für uns in unserer täglichen Arbeit von großem Nutzen.

Ein herzliches Dankeschön an alle Spender für ihre Unterstützung und Gebete. Eure Hilfe erleichtert den schweren Alltag in diesem Erdbebengebiet.