Marcel Wagner berichtet vom Projektbesuch: „Um die Batwa und das ADRA Projekt zu besuchen, bin ich mit den Kollegen von ADRA Uganda bis ganz in den Süden Ugandas, an die Grenze zu Ruanda und dem Kongo gereist. Die Region Kisoro ist von steilen Hügeln geprägt. Jeder Meter, bis zu den Kuppen hinauf, wird von der Bevölkerung für die Landwirtschaft genutzt.

Blick über die Hügel auf Mount Muhavura, Kisoro Region Uganda. Foto: Marcel Wagner, ADRA Österreich

In dieser Region lebt die Volksgruppe der Batwa. Sie lebten als Jäger und Sammler in den dichten Wäldern der Region, die vor 26 Jahren wegen der seltenen Berggorillas unter Naturschutz gestellt wurden. Zu dem Zeitpunkt wurden die Batwa aus den Wäldern vertrieben, sie erhielten aber kein alternatives Land zum Leben zugesprochen – Land, auf dem sie ihre Hütten bauen und auf dem sie Nahrung anbauen könnten.

Das ständige Risiko der Batwa, vertrieben zu werden

Ein Großteil der Batwa hat immer noch kein Land. Als Folge, leben viele auch heute noch ohne Zukunftsperspektive, ohne Wurzeln und in bitterster Armut –  überleben jeden Tag sprichwörtlich „von der Hand in den Mund“. Sie leben auf Niemandsland oder dem Grund anderer Menschen, mit dem ständigen Risiko, wieder vertrieben zu werden. Dementsprechend haben sie nur temporäre Hütten aus Bambusstecken, Plastikfetzen, alten Lumpen, Stroh und Gras – alles was die Natur und der Müll hergeben, um ein Kopf über dem Kopf zu kreieren.

Batwa Mutter mit Baby vor ihrer „Hütte“. Sie freut sich, bald auf eigenes Land umsiedeln zu dürfen. Foto: Marcel Wagner, ADRA Österreich

Die Siedlungen, die wir besuchen, liegen auf 2.400-2.800m Höhe. Hier kann es zeitweise recht kühl werden. Oft ist die nächste Wasserstelle weiter unten im Tal, einen zweistündigen Fußmarsch entfernt.

Land in Sicht

Seit kurzem ist die Situation der Batwa in den Ministerien ein Thema geworden – auch dank des kontinuierlichen Lobbyings, das Sie durch Ihre Spenden für die ADRA Projekte mit den Batwa möglich gemacht haben! Zunehmend spricht auch die Regierung Ressourcen frei, um die Batwa in die Gesellschaft zu integrieren. Gerade kürzlich wurde Land für 80-100 Batwa-Familien zugesprochen, damit sie sich dort niederlassen können, permanente Hütten bauen und auch Landwirtschaft betreiben, um ihre Familien zu ernähren.

Ihre und unsere Hilfe wird dazu gebraucht

Die Regierung hat uns anlässlich des Besuches gesagt, dass die einzige aber wichtige Ressource, die sie für die Batwa zur Verfügung haben, Land ist. Sie sind sehr darauf angewiesen, dass Hilfsorganisationen wie ADRA den Familien unter die Arme greifen, um nachhaltige Anbaumethoden zu lernen und permanente Hütten zu bauen. Im Rahmen des Benefizlauf in Graz oder auch über unseren online-Geschenkkatalog können Sie für eine Hütte spenden (jeder Betrag ist wertvoll, es muss keine ganze Hütte sein!). Eine Hütte ist nicht nur ein warmer, trockener, sicherer und vor Wind und Tieren geschützter Schlafplatz. Sie dient auch dazu, die Felderträge nach der Ernte sicher, trocken und vor Tieren geschützt lagern können, um für Monate mit Nahrung versorgt zu sein. Dies ist die nachhaltige Lebensgrundlage für die meisten Familien in der Region – und kann es auch in der Zukunft für die Batwa sein.

Die große Sehnsucht der Batwa: Land und eine feste Hütte – eine Lebensgrundlage. Foto: Marcel Wagner, ADRA Österreich

Die Region um Kisoro ist sehr vielfältig. Viel Land wird als Anbaufläche genutzt, es gibt aber auch die dichten, riesigen Waldstücke, steile Hügel und große Vulkankegel. Entsprechend werden die Hütten aus verschiedenen Materialien geplant. In Regionen wo der Boden sehr lehmig ist, werden die Hütten aus Backsteinen gebaut. Andere Regionen haben Vulkangestein. Dort, wo vor allem Holz und Bambus verfügbar ist, werden die Hütten aus diesen Materialien hergestellt. Das Baumaterial und die professionelle technische Betreuung der Batwa beim Bau für ein ca. 30m2 großes Häuschen mit 2-3 Räumen für 4-6 Personen kostet 1600-2000 Euro. Die Batwa werden von ADRA angeleitet, wie sie ihre Häuser bauen können und bekommen  dank Ihrer Spenden das Baumaterial gestellt.

Land und eine Hütte – der Start in ein normales Leben jenseits des Überlebensmodus

Bislang haben die Batwa oft nur Tagelöhner-Jobs auf den Feldern anderer Menschen, werden ausgenützt und verdienen gerade so viel, dass es für die grundlegendste Nahrung reicht (0,80Eur am Tag) – es langt niemals, um sich Geld für eine eigene Hütte anzusparen. Mit dem Besitz einer eigenen Hütte und eines Grundstückes werden die Batwa auch als gleichwertige Bürger in der Region angesehen. Dies wird ihnen bei der Integration in die Gesellschaft helfen. Schon jetzt zeigt sich durch die Bauern- und Spargruppen, die ADRA gemischt aus Batwa und der übrigen Bevölkerung organisiert hat: Die Farmer helfen sich immer mehr gegenseitig, anstelle die Batwa auszugrenzen.

Der einzige „Markt“ in den entlegenen Gebieten ist der Austausch von Nahrungsmitteln unter Farmern. Die Batwa können bislang nichts verkaufen. Was sie – auch dank Ihrer Spenden – in Zukunft verkaufen können sind Kleinvieh wie Ziegen oder Schafe. Davon zahlen sie z. B. die Schulbildung der Kinder, Medikamente und Essentielles zum Überleben.

Batwa Frau bearbeitet ihr Feld. Dank Ihrer Spende über den ADRA Geschenkkatalog erhalten Batwafamilien Werkzeuge, Saatgut und Ausbildung im Gemüseanbau.
Foto: Marcel Wagner, ADRA Österreich

Dieser junge Batwa bekam vor zwei Jahren dank ADRA Spendern eine Ziege. Seine Herde wächst. Dies ist bereits das zweite Zicklein. Foto: Marcel Wagner, ADRA Österreich

Der Blick nach vorne verändert das Schicksal der Batwa

Die Batwa sind sehr motiviert, sehen schon viel besser und nicht mehr so kränklich aus wie bei unseren Besuchen vor 2-3 Jahren. Alkohol ist in den Siedlungen immer noch ein Thema, aber viel weniger. Sie sind motiviert zu arbeiten und ihr Leben in die Hand zu nehmen. Sie können es kaum erwarten,  Land und eine Hütte zu haben, in der ihre Familie leben kann. Bitte helfen Sie uns durch Ihre Spende oder durch das Spendensammeln beim Benefizlauf in Graz am 6. Mai 2018 dabei, diesen so grundlegenden Traum Realität werden zu lassen! 

Das Projekt rund um Landwirtschaftsausbildung, die Gründung von Schafbanken für die Batwa, wie auch weiterführende Alphabetisierung wird durch die Stadt Wien kofinanziert. Der Bau der Hütten wird eine separate, durch Ihre Spenden finanzierte Komponente sein.