Im Rahmen der ADRA „Aktion Kinder helfen Kindern“ haben wir diesmal bedürftige Kinder von Familien, wo die Väter in Haft sind beschenkt. Für die Kinder keine leichte Situation, den Vater über Jahre hinweg nicht zu sehen und die Mütter wissen kaum, wie sie finanziell über die Runden kommen sollen. Uns hat aber auch interessiert, die Männer kennen zu lernen, die dieses Leid über ihre Familien gebracht haben. So sind wir an einem Nachmittag ins Staatsgefängnis von Daugavpils gefahren.

Nach ein paar Stunden Autofahrt erreichen wir schließlich das Staatsgefängnis. Ein weit über hundert Jahre altes Gebäude aus Backstein, welche vor vielen Jahren einmal weiß gestrichen wurden und nun schon ziemlich verrottet sind. Unsere Pässe waren am Tag zuvor dort hingebracht wurden. Zuerst wurden wir zu einem Justizwachebeamten gebracht, der uns ein Dokument in Lettischer Sprache übergab, welches wir unterschreiben sollten. Zum Glück hatten wir mit unserm lokalen ADRA-Verantwortlichen, der Anwalt ist, einen kompetenten Begleiter für die Übersetzung und so erfuhren wir, was wir dürfen und was nicht. Wir wollen ja schließlich nicht für länger hier bleiben müssen. Als nächstes ging es zur Security Kontrolle, hier mussten wir Handy, Fotoapparat und Geld in ein Schließfach geben. Dann kam noch die klassische Kontrolle wie beim Flughafen. Aber zu meinem Erstaunen, hat niemand in die Taschen geschaut. 

Unser Begleiter führt uns zur Kapelle wo uns ein protestantischer Kaplan empfängt. Dann kommen ca. 8 Gefangene herein und der Raum wird verschlossen. Wir sind alleine mit den Gefangenen. Ein etwas mulmiges Gefühl, alleine eingesperrt mit Schwerstverbrechern. Anderseits ein großes Vertrauen, der Gefängnisleitung in uns, hier keinen Beamten beizustellen und so können die Insassen ungestört mit uns reden. Die Gefangenen setzen sich ganz ruhig hin und schauen gespannt auf uns. Ich werde gebeten kurz über ADRA zu erzählen. Wir stellen auch einige Fragen und wir erfahren viel aus dem Leben der Gefangenen. Es gibt drei Stufen. In der ersten Stufe darf man die Zelle nicht verlassen, darf nicht arbeiten und nur einmal pro Monat telefonieren. In der zweiten Stufe darf man 2-mal pro Monat telefonieren und mit anderen Gefangenen auf den Gängen sprechen und zumindest eingeschränkt herumlaufen, sowie etwas arbeiten. In der 3. Stufe gibt es noch mehr Freiheiten, aber auch hier darf das Gefängnis zu keinem Zeitpunkt verlassen werden. Lebenslänglich ist noch bis zum Tod oder wenn man vorzeigt begnadigt wird. Ein Insasse sagt, dass er schon 17 Jahre hier lebt.

Dann kommen wir in den Hochsicherheitstrakt, wo wir nur durch Gitterstäbe hindurch mit Gefangenen sprechen dürfen und ein Beamter uns begleitet. Ein Ukrainer ist hier inhaftiert, er ist Dipl-Ing. für Hochbau, er ist nach Lettland gekommen, dann gab es irgendwann einen Streit um seine Frau; er hatte ein Messer in der Hand und der Gegner wurde getötet. Ich lerne es ist nicht alles nur schwarz oder weiß.

Das Gefängnis ist in den letzten hundert Jahren nur geringfügig renoviert wurden und entspricht nicht den Standards, die man aus Fernsehfilmen kennt – hier möchte man keinesfalls übernachten. Die Gefangenen sagen aber in Russland oder Weißrussland ist es noch schlimmer und das Essen ist ganz in Ordnung, ein Mitgefangener ist Koch.  Sie sind froh, dass sie pro Monat 10-15 EUR durch verschiedene Jobs im Gefängnis verdienen, oder Ausbildungen machen und sich etwas Eigenes zu Essen oder Süßigkeiten kaufen können oder einen Fernseher haben. Am schwierigsten ist die Trennung von den Familien, den Frauen und Kindern, dass ist die eigentliche Bestrafung. Die Gefangenen hoffen, dass sie einmal begnadigt werden und noch einmal zu ihren Familien zurückkommen. Nicht immer gibt es hier noch eine Beziehung und nicht alle Frauen, wollen mit ihren Männern noch in Kontakt bleiben. Durchaus auch verständlich. Die Leidtragenden sind leider die Kinder. Diese Kinder sind es auch, die wir Dank eurer Spenden mit Paketen zu Weihnachten beschenken dürfen. So dass für ein paar Tsge soetwas wie unbeschwerte Kindheit und Freude in die Heime einziehen kann.

Nach knappen zwei Stunden ist unsere Zeit schon vorbei. Irgendwie bin ich auch erleichtert, als ich durch die letzte Gittertüre durch bin und der Riegel der schweren Eingangstür ins Schloss fällt. Viele Gedanken und Eindrücke begleiten mich. Dennoch so schnell brauche ich keine Wiederholung.