Seitdem ADRA Österreich Projekte mit den Familien aus der Roma-Siedlung in Fushe Kruja, ALBANIEN, durchführt, ist Mira immer ein Teil davon. Zuerst war sie aktive Teilnehmerin am Frauenprojekt, in dem Frauen lesen und schreiben lernten. Sie erhielt Unterricht im Lesen sowie Schreiben und viele Themen rund um soziale Kompetenzen wurden vermittelt, im Bereich Gesundheit und Hygiene. Schon während dieser Zeit wurde Mira freiwillige Helferin im Projekt. Sie half dem ADRA Team, die Familien in ihrer Siedlung zu mobilisieren und sie war eine große Hilfe für unser Projektpersonal. In dieser Zeit zog sie aus der Roma-Siedlung weg und fand eine Wohnung inmitten der albanischen Nachbarschaft.

Mira ist geschieden, hat eine Tochter. Ihre Tochter hat sich für ein Leben in Roma-Tradition entschieden und sehr früh geheiratet, anstelle ihren Platz in der albanischen Gesellschaft zu suchen. Mira hat keinen einfachen Weg gewählt. Während ihr Herz für ihre Community schlägt, identifiziert sie sich nicht mehr mit den Gebräuchen. Und dies ist es, was sie motiviert, immer wieder zurück zu gehen. Sie möchte den Familien zu helfen, ihren Weg aus dem Ghetto herauszufinden. Während sie in ihrer Community arbeitet, ist sie oft nicht akzeptiert, wird jetzt als „weiße Person“ kritisiert. Und wenn sie unter Albanern ist, begegnen ihr als Roma häufig Misstrauen und Vorurteile. ADRA hat sie in all dieser Zeit unterstützt und Mira hat mit Leidenschaft ihre Vision verfolgt.

Gegen Ende des von der ADA finanzierten REFLECT Projekts, formierte Mira eine Aktivistengruppe mit 5 jungen Männern. Mira begann, diese auszubilden, damit sie ihr helfen könnten, etwas gegen die verschiedenen Nöte in der Roma-Community zu tun. Gleichzeitig leitete sie den Prozess ein, ihre eigene Hilfsorganisation aufzubauen. Sie brauchte fast 2 Jahre, bis sie ihre Organisation registriert hatte. Sie trägt heute den Namen „Roma Gate for Integration“. Durch ihre vielen Kontakte auf verschiedenen Ebenen erreichte sie es, eine Projektförderung von der amerikanischen Botschaft in Tirana zu erhalten. Das Projekt ist eine kleinere Version des ADRA REFLECT Projekts. Da die Förderung relativ klein ist, muss sie ganz auf ehrenamtliche Helfer bauen, die von der lokalen Universität in Fushe Kruja kommen. Zehn junge Studentinnen und 7 Studenten helfen ihr zurzeit ehrenamtlich, 35 Roma Kinder dabei zu unterstützen, ihre Hausaufgaben zu machen. Sie helfen den Kindern, sich in die Schule zu integrieren und die Prüfungen zu bestehen.

Bernard ist einer dieser Freiwilligen, verantwortlich für ein Roma-Kind. Er hilft mit dem Schreiben, Lesen und sozialen Kompetenzen. Er arbeitet auch mit den Eltern, gibt ihnen regelmäßiges Feedback über seine Arbeit mit dem Kind und über die Hausaufgabenhilfe. Es gibt keine Sprachprobleme zwischen ihm und der Familie und die Eltern akzeptieren seine Hilfe. Er erfuhr über Freunde an seiner Oberschule/Gymnasium von dem Projekt. Nicht jeder kann mitmachen – Mira wählt die Schüler aus, die eine gute Leistung bringen und hohe Noten haben.

Minola ist Psychologin und half als Volontärin im ADRA REFLECT Projekt mit. Sie arbeitet nun in Miras Projekt. Ihre Aufgabe ist es, die Studenten auszubilden, bevor sie mit den Kindern arbeiten. Danach ist alles, wie Bernard sagt, „learning by doing“. Er verbringt zweimal pro Woche zwei bis fünf Stunden mit dem Kind. Alle Studenten, darunter auch zwei Roma Mädchen, arbeiten mit den Kindern am Nachmittag nach dem formalen Schulunterricht. Sie treffen sich an Wochenenden mit den Kindern im Gemeinschaftszentrum und besuchen häufig die Eltern zu Hause, um ihnen Feedback zum Fortschritt der Kinder in der Schule zu geben und sie zu motivieren, ihre Kinder zu unterstützen.

Von den 35 Kindern, die Miras Organisation betreut, besuchen 15 Kinder regelmäßig die Schule. Zurzeit gibt es 800 Kinder in der Roma-Siedlung. Rund 45 Kinder besuchen regelmäßig die Schule, über 100 Kinder sind registriert, 260 Kinder wurden letztes Jahr eingeschrieben und nur 25% besuchen wirklich die Schule.

Als ich Minola frage, was der freiwillige Einsatz ihr bringt, erzählt sie mir, wie glücklich sie ist, den Fortschritt unter den Kindern zu sehen. Früher sah sie in den Roma Kindern nur Bettler auf der Straße, heute hat sie eine komplett andere Sicht gewonnen. Auch Bernard bewirkt für die Kinder eine echte Veränderung und es gefällt ihm, im sozialen Bereich zu arbeiten.

Miras Projekt ist in die Arbeit von ADRA integriert und bereichert den schulischen Integrationsprozess der Kinder. Zum ersten Mal ist es sichtbar, dass positive Veränderung aus der Roma-Community selber kommt. Ein Erfolg der 7 Jahre Arbeit von ADRA in Fushe Kruja. Der Weg ist immer noch weit, bis Mira und ihre Helfer die Kapazität haben, eigene Projekte selbständig zu leiten. Zurzeit bekommt sie tatkräftige Unterstützung beim Schreiben von Berichten, beim Lösen von Problemen und anderen kleineren administrativen Arbeiten. Aber Mira organisiert sich selbst und kann von Zeit zu Zeit an Ausbildungen durch die OSCE und UNDP in Leiterschaft, Gender-Themen und zu grundlegenden Managementkenntnissen teilnehmen. Miras Zukunftsperspektive ist es, mehr mit den Frauen in der Roma Siedlung zu arbeiten. Sie haben sie schon mehrere Male gebeten, wieder mit den Alphabetisierungsklassen zu beginnen, die durch ADRAs Projekte in der Vergangenheit angeboten wurden. Dies bedeutet, Mira schreibt nun Projektanträge und sucht nach neuen Geldgebern.