Mittwoch Nacht bin ich in Nepal angekommen — nach einem langen Aufenthalt in Dubai — diesmal habe ich dank 7h Aufenthalt LOCKER den Anschlussflug bekommen ;). Am Flughafen werde ich von Dana Dai abgeholt — erinnert ihr euch an ihn? Wir hatten ihn kurz nach dem Erdbeben als ADRAs Fahrer vorgestellt und euch vom Schicksal seiner Familie erzählt.

Ein ungewohnter Anblick — die Straßen Kathmandus sind leer. Normalerweise steht man hier im Stau. Seit über 4 Wochen kämpft das Land mit akutem Benzinmangel. Die Schlangen vor den Tankstellen in Kathmandu sind bis zu 5 km lang. Manche Motorcycle-Fahrer stehen 3 Tage an, um dann rund 3 oder 4 Liter Benzin zu bekommen, das rationiert ist.

Auch unser Team ist zu Fuss unterwegs, mit dem Fahrrad, die, die weiter weg wohnen nehmen die wenigen öffentlichen Busse, die fahren, sind aber viel länger unterwegs als sonst.

Was ich später erfahre: auch das Gas ist knapp — viele Restaurants oder sogar Hotels haben schon geschlossen, weil sie die Gasflaschen für die Kochherde nicht mehr auffüllen konnten. Ich bin in einem Guesthouse ganz nah zum ADRA Büro untergebracht, kann laufen. Das Wetter ist schon frisch, so 10 Grad am Morgen und es regnet … und die Dusche ist heute … KALT. Im Nachhinein überlege ich, ob das Guesthouse evtl. eine Gastherme hat, die sie nicht laufen lassen können, um wenigstens zum Kochen genug Gas zu haben? Während ich in Kathmandu bin geht durch die Medien, dass die Regierung Nepals einen Vertrag mit China abgeschlossen hat, zur Lieferung von Benzin, Diesel, Gas, um in Zukunft nicht mehr einzig und allein von Indien abhängig zu sein. Nun bangen und hoffen alle, dass sich die Krise bessert!

An der Grenze zu Indien blockieren die Mitglieder einer Minderheit und Partei im Land die Grenzposten, sie möchten mehr Rechte innerhalb der neuen Verfassung erhalten, die vor wenigen Wochen verabschiedet wurde. So ganz verstehe ich den Kontext noch nicht, auch welche Rolle Indien nun spielt, dass kaum Benzintanker nach Nepal hineinkommen … aber die Auswirkungen sind krass — stellt euch vor, wie es in Österreich aussähe, wenn es seit 4 Wochen fast kein Benzin mehr an den Tankstellen gäbe … teilweise werden einige Grundnahrungsmittel wie Speiseöl in Kathmandu knapp, allgemein werden die Lebensmittel teurer. Auch unsere Projekte leiden darunter, dass das Team weniger beweglich ist, oder dass es schwer ist, Material liefern zu lassen.

Unser Projektbesuch kann aber doch stattfinden — in unserer Projektregion ist die Situation nicht ganz so gravierend wie im Raum Kathmandu. Und so fliegen wir nach zwei Tagen mit den verschiedensten Besprechungen in Kathmandu nach Nepalgunj, des regionalen Knotenpunkts für den Mittleren Westen Nepals. Wir fliegen über die Erdbebenregion. Von oben sieht man die Dörfer — in der Sonne blinken viele neue Wellblechdächer — an anderen Stellen sieht man noch große farbige Plastikplanen. Am Flughafen in Nepalgunj werden wir von Prem, unserem Projektleiter abgeholt. Ich hatte ihn beim Projekt-Start-Workshop kennengelernt. Nun sind wir schon in der Halbzeit des Projekts — und ich bin suuupergespannt, persönlich zu sehen, was sich getan hat! Die schriftlichen Zwischenberichte habe ich ja schon gelesen.

Kaum verlassen wir den Flughafen, biegen auf die Hauptverkehrsachse ein, begegnet uns eine Kolonne Tankwagen. Alle Kollegen im Auto sind in Juchuh-Stimmung — und auch ich kann das mittlerweile voll teilen — die Tankwagen sind sicher auf dem Weg nach Kathmandu, in den Zeitungen wird über sie berichtet— und wir haben sie gesehen!

Morgen geht es los in die Dörfer — erst in die Region Banke im Tiefland, dann hinein in die Hügel und immer weiter hinauf. Ich habe gehört, dass wir am Montag eins unserer Marktzentren besuchen, wenn dort Markttag ist — d.h. die Bauern ihre Waren bringen und die Händler sie abholen. Ich freue mich!

Die Challenge des Abends habe ich überstanden: draußen hat es jede Menge Heuschrecken und Mücken — und ein grosser Grashüpfer hat sich in mein Zimmer verirrt, fliegt, springt völlig hysterisch zwischen Dusche und Bett hin und her, fliegt in den Ventilator hinein, gegen die Tür, in meine Haare, zurück in die Dusche — gestresst — und ICH AUCH! Bei einem guten Moment schaffe ich es ihn (oder sie?) mit dem Wasserglas auf dem Tisch einzufangen. Was nun? Möchte nicht, dass er oder sie darunter über Nacht erstickt, aber was passiert, wenn ich die Tür aufmache um ihn/sie hinauszuspedieren? Kommen dann fünf weitere hinterher? Marcel, den ich per Skype konsultiere, meint, ich soll vorher gegen das Moskitogitter an der Tür “ginken” (da spricht der Schweizer ;)), dann hüpfen sie weg … und siehe da, das funktioniert! Heuschrecke ist weg, das Zimmer “Käferfrei”, ich stolz, und wir beide haben die Aktion überlebt ;). Gute Nacht :)! Hoffe ich kann schlafen — der Jetlag lässt mich noch nicht …

Neben all den Eindrücken hier in Nepal die tiefe Betroffenheit über den Flugzeugabsturz am Sinai, ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer und weitere Nachrichten, die es rund um die Welt schaffen …

Da der Internetempfang in den nächsten Tagen vermutlich nicht so gut sein wird (oder ich gar keinen habe) gibts die News und Bilder von der Reise dann wohl hinterher! Alles Liebe und bis bald!