Albanien

In Albanien eine Arbeitsstelle zu finden ist nicht einfach – noch schwerer, wenn man einer sozialen Minderheit angehört, aus einkommensschwachen Familien kommt – und ganz schwer, wenn man keinen Schulabschluss hat.

Alle Kinder in Albanien müssen laut Gesetz ab dem 6. Lebensjahr für mindestens 9 Jahre die Schule besuchen. Leider brechen viele Kinder, vor allem Roma- und ägyptische Kinder, die Schule vorher ab. Es wird geschätzt, dass zum Beispiel 72% der Roma-Kinder keine weiterführende Schule besuchen. Viele arbeiten, betteln auf der Straße, müssen zu Hause auf kleinere Geschwister aufpassen. Ihre Eltern verstehen den Wert von Bildung nicht. Hinzu kommt, dass der Schulbesuch manchmal auch einfach nicht motivierend ist – stellen Sie sich vor, im Winter bei 4 Grad einen ganzen Vormittag im Schulzimmer zu sitzen, die Scheiben sind kaputt und es gibt keine Heizung. Als Roma-Kind werden sie von Mitschülern oder sogar vom Personal mit Vorurteilen behaftet und ausgegrenzt. Die Toiletten stinken, weil es kein fließendes Wasser gibt. Es gibt kaum ansprechendes Lernmaterial.

Haben die Kinder dann einmal den Anschluss in der Schule verpasst, ist der Wiedereinstieg sehr schwer. Zu den Kindern aus Minderheiten kommen Kinder mit mentalen oder physischen Beeinträchtigungen, die offiziell in normale Schulklassen integriert werden. Da die Lehrer aber nicht die Ausbildung haben und nicht die Kapazität, besonders auf sie einzugehen, gehen sie im normalen Unterricht unter.

Um 300 dieser Kinder zu helfen, ins öffentliche Schulsystem wieder integriert zu werden, hat ADRA im Jänner 2016 mit Unterstützung der Austrian Development Cooperation ein neues dreijähriges Projekt begonnen: „2. Chance – eine Chance für’s Leben“. Die ADRA Mitarbeiter besuchen die Familien solcher Kinder, um sie für die Wichtigkeit des Schulbesuchs zu sensibilisieren. ADRA bietet an ausgewählten Schulen mit hohen Abbruchraten eine zusätzliche Klasse an, in der die Kinder aufgefangen werden und ergänzenden Unterricht bekommen, um wieder für die Schule motiviert zu werden, sie zurück in den Schulalltag zu integrieren, Ziele für ihr Leben zu entwickeln. Sie erlernen soziale und psychologische Kompetenzen und stärken ihren Selbstwert. Sie lernen aber auch, gut mit Geld umzugehen, zu sparen und sich positiv in die Gruppe einzubringen. 50 Lehrer der ausgewählten Schulen lernen neue Lehrmethoden, die den Unterricht interessant machen und die ihnen helfen, besser auf Kinder mit besonderen Bedürfnissen einzugehen.

2. Chance für den Schulbesuch