Uganda

Ein Leben am Rande der Gesellschaft

Sie zählen zu den ältesten Jäger- und Sammlerstämmen Afrikas – und gehören zugleich zu den am meisten isolierten Menschengruppen der Welt: die Pygmäen. In Uganda sind sie allgemein unter dem Namen „Batwa“ (in ihrer Sprache „die Waldmenschen“) bekannt. Lange lebten sie friedlich in den Bwindi- und Mughahinga-Wäldern im Westen des Landes. Bis 1992 ein Teil der Wälder von der Regierung zum Nationalpark erklärt wurde. Was damals dem Schutze der Berggorillas dienen sollte, führte dazu, dass die Batwa aus ihren Wäldern vertrieben wurden – und ihre einzige Lebensgrundlage verloren.

Seither haben sich die geschätzten 6000 Batwa in verschiedenen Distrikten angsiedelt. Doch dem traditions- und kulturreichen Volk fehlen die Kenntnisse und Mittel, um sich außerhalb des Waldes selbst zu versorgen. Durch den Einsatz humanitärer Hilfsorganisationen konnten zwar rund 40 Prozent der Batwa eigenes Land erwerben um ihre Existenz als Kleinbauern zu sichern. Doch die Mehrheit von ihnen lebt bis heute, 25 Jahre später, landlos und in völliger Armut.

Neben Arbeitslosigkeit, Armut, fehlender Bildung, mangelnder Gesundheitsversorgung und einer hohen HIV/Aids- Rate, leiden die Batwa aber vor allem unter Diskriminierung und Isolierung. Aufgrund ihrer eher unterdurchschnittliche Körpergröße sind sie als „primitive, kleinwüchsige Waldmenschen“ verschrien. Als Folge der Ausgrenzung und Verachtung durch andere ethnische Völker leiden immer mehr Batwa unter dem Verlust an Selbstwert.

Heute ist ihre einzige Einnahmequelle die Unterhaltung von Touristen mit Musik und Tanz, für die ein ganzes Dorf am Tag durchschnittlich 10 USD verdient. Im Gegenzug zahlen dieselben Touristen für eine Führung zu den Berggorillas bis zu 600 USD. Andere arbeiten als Tagelöhner oder verkaufen Kunsthandwerk. Das reiche Erbe der Batwa, geprägt durch Sprache, Kleidung, Schmuck, Musik, Heilkunde und Handwerk, droht nach und nach zu verschwinden – und damit auch ihre ganze Identität.

Um die Identität der Batwa zu wahren, müssen sie Respekt und Anerkennung als menschliche Wesen bekommen –  und die Chance, ihre Traditionen, ihr Wissen und ihre beeindruckenden Lebensgeschichten weiterzugeben. Nicht zuletzt müssen sie aber vor allem in der Lage sein, sich selbst zu versorgen.

ADRA Österreich und ADRA Uganda arbeiten deshalb seit 2014 gemeinsam mit und für die Batwa. Mit neuen Projekten soll nun die Existenz der Batwa langfristig gesichert und ihre Identität erhalten werden:

Aufbau eines lebendigen Museums
Durch Organisation, Training und dem Aufbau eines Veranstaltungsortes sollen die Batwa mit Tanz, Musik und Theater in der Lage sein, ihr eigenes Geld zu verdienen, ohne dabei ausgebeutet zu werden. Um die Geschichte des Volkes weiterzutragen, soll das Programm ausländische und lokale Touristen anlocken, aber auch Schulklassen und Studenten. Dank Ihrer Spende kann sich so langfristig ein ethischer Tourismus entwickeln, bei dem die Batwa mit ihren individuellen Talenten eigenes Einkommen verdienen können. Das lebendige Museum soll außerdem Straßenkindern, Bettlern und Taschendieben eine neue Aufgabe und langfristige Perspektive geben.

Förderung von Schul- und Weiterbildung
Von den Einnahmen des lebendigen Museums soll ein Fond angelegt werden, der finanzielle Unterstützung für den Schulbesuch von Batwa-Kindern bereitstellt. Darüber hinaus kann mit Ihrer Spende aufbauend auf einem vorherigen Projekt ein weiterführendes Alphabetisierungstraining für Erwachsene initiiert werden, um Lese-, Schreib- und unternehmerische Kenntnisse zu fördern. Die im Museum involvierten Batwa erwerben zusätzlich Englischkenntnisse, um mit den Touristen kommunizieren zu können.

Einkommensförderung durch eine Schaf-Bank
Viele Batwa sind auf die Austeilung von Hilfsgütern angewiesen. In dieser Projektphase will ADRA nun eine „Schaf-Bank“ einführen. Dabei werden die ersten Schafe nicht an eine Familie, sondern an eine neutrale „Schaf-Bank“ der Siedlung ausgegeben, die gemeinsam verwaltet wird. Ein Grundstock an Schafen vermehrt sich als Gemeingut der Familien, die Familien erhalten später aber auch junge Schafe als persönlichen Besitz. Dadurch soll der Informationsaustausch innerhalb der Batwa-Siedlung gefördert und Kenntnisse der Schafzucht verbreitet werden. Mit jeder Spende in die „Schaf-Bank“ profitieren die Batwa neben dem finanziellen Wert der Schafe auch von Milch, Wolle und dem Mist, der als Dünger genutzt werden kann.

Hilfestellung für die eigene Lebensmittelversorgung
Zur Unterstützung der eigenen Lebensmittelproduktion werden fast 200 Batwa-Haushalte mit Saatgut, Setzlingen, Werkzeugen und Schafen ausgestattet. Zusätzlich bekommen sie grundlegende landwirtschaftliche Kenntnisse vermittelt. Dank Ihrer Spende können sich die Batwa langfristig einen eigenen Zugang zu Nahrung sichern.

Förderung der eigenen Interessenvertretung
Zudem sollen die Batwa in Advocacy ausgebildet werden, um sich auf lokaler Ebene für ihre eigenen Anliegen einsetzen zu können. Um den interkulturellen Austausch zu fördern und wirksame Öffentlichkeitsarbeit umzusetzen, bekommen die Batwa zudem die Möglichkeit, in Live-Talkshows im Community Radio auf sich und ihr Engagement Aufmerksam zu machen.

Förderung von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit
Die Batwa und ihre Umwelt sind untrennbar miteinander verbunden. Deshalb sollen das Bewusstsein und der Schutz der Umwelt künftig noch stärker gefördert werden.
Wegen ihrem begrenzten Zugang zu Bildung und ihrer Ausgeschlossenheit leiden die Batwa nicht nur unter Missbrauch, wenn es um Freiheit und Menschenrechte geht. Sie sind auch Täter in denselben Bereichen. Gewalt, Unterdrückung und Drogen sollen deshalb durch Aufklärung und Sensibilisierung vermieden werden. Dabei stehen vor allem auch Frauen im Fokus, die bisher noch benachteiligt sind und kein Mitspracherecht haben.