Verwirrt von lautstarker Technologie, hohen Gebäuden, der Vielzahl von Straßenverkäufern, die ihre Produkte anpreisen und das Tohuwabohu der Männer, die an der Tür von Taxibussen hängend ihre Kunden werben – zum ersten Mal in ihrem Leben gehen die jungen Doma aus Kanyemba vorsichtig über die Bürgersteige der Hauptstadt Zimbabwes, Harare.

Meine Kollegin von ADRA Simbabwe berichtet, dass sie schon vorher frohe Gesichter gesehen hat, aber keine drückten eine solche Aufregung und Freude aus wie die der jungen Frauen und Männer, die in Harare angekommen waren, um durch ADRAs Projekt in der Herstellung von Hygienepaketen für Frauen ausgebildet zu werden. Noch nie zuvor hatten sie ihre entlegene Region verlassen.

Im Herzen leid tat ihr ein junges Mädchen, das anders dreinsah. Sie schaute bedrückt, schüchtern und unglücklich. Sie sorgte mich und fragte ihre Freundin was los sei. Die erzählte:

Als wir in Richtung Harare kamen, begann Hope (Name geändert) sich unwohl zu fühlen. Ich fragte sie, was los sei aber sie antwortete nicht. Nachdem wir eine Stunde weitergefahren waren hielt unser Bus in einer Kleinstadt an, damit sich alle erfrischen konnten. Alle stiegen aus um die Beine zu strecken, aber Hope blieb auf ihrem Platz sitzen. Ich ging zu ihr hin und fragte sie, was los ist.

Nach ein paar Minuten öffnete sie sich und erzählte mir, dass sie ihre Menstruation bekommen habe und ihre Kleidung verschmutzt sei. Ich schickte jemanden zum nächsten Supermarkt um Hygienebinden für sie zu kaufen. Sie wusste nicht, wie man sie verwendet, so erklärte ich es ihr. Wir hatten ja keine Ahnung, dass sie gar keine Wäsche besaß, an der man sie hätte festkleben können.

All diese spannenden Momente, die Aufregung in die Hauptstadt zu reisen wurden ihr geraubt durch einen biologischen Vorgang, sie hätte bewältigen können. Aber der Mangel an Mitteln bereitete ihr Scham, Not und sie wünschte sich, der Realität zu entfliehen. Wir organisierten ihr Kleidung und die Reise ging weiter nach Harare.

Gemeinsam mit ADRA Simbabwe, der Stadt Wien und ganz wichtig – Ihren Spenden – engagiert sich ADRA auch gegen vorherrschende kulturelle Überzeugungen, um junge Frauen im Distrikt Mbire zu stärken. Frauen und Männer lernen, dass die Menstruation ein normaler Bestandteil des Lebens ist und dass negative kulturelle Einstellungen wie „Mädchen und Frauen, die ihre Menstruation haben sind schmutzig“ nicht stimmen.

Hope und die anderen Frauen und Männer aus Kanyemba, die durch ADRA ausgebildet wurden, brechen heute das Schweigen in ihren Dörfern und Familien. Ihr Besuch in der Stadt hat ihnen viel mehr vermittelt als nur das Nähen von Hygienebinden und das Herstellen von Seife. ADRA Mitarbeiter haben sie privat zu Hause beherbergt. Die Reise hat ihnen Selbstvertrauen gegeben, sie fühlen sich zugehörig, haben Liebe, Freundschaft, Wissen und Hoffnung vermittelt bekommen. In ihnen ist der Wunsch gewachsen, ihre Dörfer zu verändern – und den haben sie mit nach Hause genommen! Und was sie dort bewegen, beeindruckt mich sehr, sie haben meinen größten Respekt!

Nur zwei Wochen später habe ich einige Mädchen selber in Kanyemba getroffen. Hier habe ich schon ein bisschen berichtet. Als ich sie auf die Tage in Harare anspreche, beginnen sie vor Temperament zu sprühen. Was war das spannendste? Der Glasaufzug in der Einkaufsmeile. Es sind aber auch Beziehungen gewachsen. Nachdem der junge Toni in Harare bei der ADRA Leiterin untergebracht war, lud er sie und uns auf unserem Besuch ein, nun seine Stelzenhütte kennenzulernen.

Und er hat uns gebeten, dass er in einem nächsten Projekt zimmern und mauern lernen darf – sie möchten sich richtige Hütten bauen – solche wie die anderen Menschen in ihrer Region sie auch haben.

Hier können Sie die jungen Frauen und Männer in Simbabwe durch Ihre Spende unterstützen.

Herzlichen Dank!

Corinna Wagner