Dank Ihnen können Familien in dieser entlegenen Region im Norden Vietnam bald zusätzliche Einkommensstandbeine aufbauen, um der Armutsfalle zu entkommen.

Ich wünsche mir, dass meine Tochter einmal Lehrerin wird. Dass sie anderen Kindern Lesen und Schreiben beibringt… – — STOP, NEIN, so war das nicht …

Ich hätte diesen Satz einer Mutter gerne als Zitat in Anführungszeichen gesetzt. Aber ich kann es nicht. Als ich Phuóng frage, was ihr Traum für ihre 14-jährige Tochter ist, sagt sie stattdessen leise: „Ich habe sie nie gefragt.“ 

„Ich weiß es nicht, ich habe sie nie gefragt.“ – Ich spüre, wie schwer es ihr fällt, dies zu sagen. Der Moment berührt mich sehr, weil ich mich an all die Träume erinnere, die ich als Jugendliche hatte, und wie privilegiert ich bin, dass ich meinen Weg gehen durfte, die Talente, die Gott jedem von uns gibt, entwickeln und einsetzen darf.

Jedes Kind, jeder Mensch sollte das Leben leben können, das Gott ursprünglich für uns vorgesehen hatte! Das ist unsere Antriebsfeder als ADRA, und dafür brennt mein Herz.  

Phuóng sitzt mir gegenüber und sie wagt nicht mehr zu träumen, weil sie nicht sicher ist, ob sie und ihr Mann ihre Tochter bis zur 12. Klasse in die Schule schicken können. Ob sie jeden Monat in der Lage sein werden, für Transport und das Frühstück zu zahlen. Die Rechnung geht sich einfach nicht aus. Sie selber teilen das gleiche Schicksal. Da das Geld der Familie nicht für alle Geschwister reichte, mussten auch Phuóng und ihr Mann im Alter von 11 und 12 Jahren die Schule abbrechen. 

Phuóng und ihr Mann Than leben mit ihren beiden Kindern im Norden Viet-nams, in einem alten traditionellen Holzhaus auf Stelzen. Holzboden und Wände sind von der feuchten Hitze verwittert. Die über den Betten gespannten Plastikplanen verraten, dass die Dachziegel nicht mehr vor dem Regen schützen. Und doch ist dies das Zuhause von 7 Personen: Phuóng, ihr Mann, ihre 14-jährige Tochter, der 4-jährige Sohn, ihre Eltern und der Onkel, der mit einer schweren Körperbehinderung bei ihnen lebt und Pflege braucht. 

Phuóngs Familie besitzt 3 Wasserbüffel und 3 Schweine. Tiere sind das Bankkonto der Familien, sie werden verkauft, wenn eine größere Rechnung ansteht. 

Die Herausforderung ist groß

Ihre Felder sind zu klein, um die Familie ganzjährig zu versorgen. Im letzten Jahr ernteten sie 30 Säcke Reis. Davon werden sie 7 ½ Monate satt. Als Familie, die unterhalb der Armutsgrenze lebt, erhalten sie von der Regierung einen Reisvorrat für weitere 2 Monate. Die übrigen Monate müssen sie irgendwie Geld verdienen, um Reis und Mais dazuzukaufen und bangen um die nächste Mahlzeit. 

Gemeinsam kalkulieren wir, was ihre wichtigsten Ausgaben sind: 

Monatsbudget für die 7 Personen

  3 Euro Strom

22 Euro  Frühstück der Kinder  

56 Euro Lebensmittel (Gemüse, Fett, 

Fischsauce (wie Sojasauce)

30 Euro Grundnahrungsmittel 

(Reis, Mais)

1,30 Euro Schulgebühren Tochter

Total: 127 Euro pro Monat

Hinzu kommen Kleidung, Seife, das Handy, das so wichtig ist, um Arbeit zu finden …  Manchmal kann die Familie ein Schwein verkaufen, ab und zu finden sie zusätzlich zur Feldarbeit und dem Hüten ihrer Büffel Arbeit als Tagelöhner auf einer Baustelle. An einem guten Tag verdient ihr Mann 5,50 Euro auf dem Bau. Um die wichtigsten Ausgaben zu decken, müsste er an 23 Tagen Arbeit finden, aber im letzten Monat fand er an keinem einzigen Tag Arbeit. 

Was ist seine Vision? Er sagt: 15 Schweine besitzen. Er könnte einige der Ferkel behalten, aber die Familie hat nicht genug Getreide, um zusätzliche Tiere zu füttern. Sie stecken in einer Sackgasse. Die Armut hat jede Hoffnung zerstört: So sehr, dass Phuóng nicht weiß, was ihr Traum für ihre Tochter ist und sie ihre 14 jährige Tochter noch nie gefragt hat, was diese einmal werden möchte. 

Ich sitze erstmal betroffen da. Mit Phuóng am kleinen Tisch zu sitzen und zu sprechen ist etwas anderes, als eine Regierungsstatistik zur Armut in der Region zu lesen. Keiner hat gesagt, dass Hilfe einfach ist. Wenn sie so einfach wäre, hätten die Familien hier selber Wege gefunden. Diesen Armutskreislauf zu durchbrechen, ist eine Herausforderung, für die wir Ihre Unterstützung brauchen. Für den Norden Vietnams haben wir keine Möglichkeit, ergänzende Fördergelder der Regierung zu beantragen. Um Familien wie Phuóng helfen zu können, sind wir daher ganz auf Ihre Spenden angewiesen! Sie sehen aber auch, wie wertvoll jede Spende für eine Familie mit so einem kleinen Familienbudget ist! 

„Ich habe Pläne für dich, die voller Zukunft und Hoffnung sind.“ Gott spricht uns Menschen dies in Jeremia 29,11 zu. 

Wo eine Vision ist, da ist Hoffnung.  Ich bin so froh, wenn Sie dabei sind und dies unterstützen!

Gemeinsam mit den vietnamesischen Kollegen planen wir noch vor Ort: Als ersten Schritt werden wir mit Phuóngs Familie und ihrem Dorf analysieren, welche Kapazitäten sie bereits haben. Einige Kilometer entfernt haben zum Beispiel Bauern begonnen, Seidenraupen zu züchten und verdienen sehr gut Geld damit. Solche Personen können wir miteinander verbinden. Als Familie und als Dorf werden wir gemeinsam mit ihnen eine Vision und einen konkreten Plan entwickeln. 

Die Familie braucht zusätzliche Einkommensstandbeine

Die Familien werden dann dabei unterstützt, verschiedene Einkommensstandbeine zu entwickeln. 

Sie lernen außerdem moderne Anbautechniken, um den Ertrag der Felder auf nachhaltige Weise zu steigern und den wertvollen Humus auf den Steilhängen durch das Anlegen von Terrassen zu bewahren. Momentan schwemmen starke Regenfälle alle Nährstoffe weg und ihre Reisernte wird immer kleiner. Die Familie ist immer mehr auf künstlichen Dünger angewiesen. 

Gemeinsam ist es möglich

Helfen Sie mit – Ihre Spende ermöglicht es, dass sie die lähmende Perspektivlosigkeit durchbrechen. Hoffentlich kann Phuóng ihre Tochter bald fragen, was sie sich von ihrer Zukunft erträumt!

Gemeinsam mit Ihnen können wir Träume wahr machen! 

Corinna Wagner