Die Betreuung von sozial schwachen bzw. notleidenden Familien, insbesondere von Frauen und Kindern, ist ein besonderes Anliegen von ADRA, sowohl international, als auch national in Österreich.

Viele von euch wissen Bescheid über unsere Arbeit in den verschiedenen Krisenregionen der Welt, was ADRA in Österreich macht, ist vielleicht noch nicht so bekannt. ADRA hat schon vor Jahren eine Reihe von Projekten und Initiativen in ganz Österreich gestartet, angefangen vom ADRA Sozialzentrum Wien Säulengasse, über die Integrationshilfe Mödling oder den Kleiderbasar Bregenz bis hin zum ADRA Zentrum für Familie und Begegnung in Mistelbach, um nur einige zu nennen. Bedürftige Familien erhalten Kleidung, Spielzeug, warmes Essen und Lebensmittelpakete, sowie weitergehende soziale Betreuung, Hausaufgabenhilfe und dergleichen. 

ADRA hilft auch in Österreich notleidenden Menschen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Rasse, Religionszugehörigkeit und sonstigen Merkmalen.

Heute möchten wir Euch von einem 11-jährigen Afghanischen Mädchen berichten.

Das Mädchen nennen wir sie Tari* ist unglaublich ehrgeizig und möchte einmal Kinderärztin werden. Tari lernt deshalb brav und geht dreimal die Woche zu einer Dame, die ihr ehrenamtlich Nachhilfe gibt. Zuhause ist das Lernen für sie aber sehr schwer. Die Familie wohnt zu sechst auf knapp 60 m² und sie hat nirgends einen Platz wo sie in Ruhe lernen kann. In der Schule wird sie von den Mitschülern gemobbt aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe, die Lehrerin unternimmt nicht wirklich etwas dagegen. Trotzdem sehnt sich Tari immer nach dem Ende der Ferien um wieder in die Schule gehen zu können. Denn zuhause deckt sie ihre Mutter Alma* immer nur mit Hausarbeit ein. Deshalb holen unsere ADRA Mitarbeiter sie manchmal zu sich nach Hause, damit sie spielen kann, einfach mal Kind sein kann. Wenn wir sie abholen wollen, müssen wir aber immer auch ihre Brüder mitnehmen, denn sie als Mädchen darf nicht ohne männliche Begleiter aus der Familie sein. 

Tari hat einen unglaublichen Wissenshunger. Zuhause hat sie im Gegensatz zu ihren Brüdern kein Bett. Tari schläft auf der Couch. Ihre Brüder haben ein Stockbett. Die Eltern haben relativ wenig Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder. Die Kinder dürfen kaum Spielzeug haben, weil die Mutter meint, das Spielzeug nur Unordnung macht. Der sehnliche Wunsch von Tari waren Wassermalfarben, weil sie gerne kreativ tätig ist. Die Eltern haben ihr nie Farben gekauft, weil sie für so etwas kein Geld ausgeben wollen. Der Vater denkt er ist ein guter Vater weil er seine Kinder nicht 10-12 Stunden am Tag arbeiten lässt. Er selbst wurde von seinem Vater mit 9 Jahren in ein Nachbarland als Arbeitssklave verkauft. Außerdem hat er in Österreich aufgehört seine Frau und die Kinder ständig zu schlagen. In Afghanistan hat er seine Frau und die Kinder meist mehrmals täglich geschlagen. Unsere ADRA Kollegen haben Tari nun Wasserfarben gekauft. Tari hat sich sehr gefreut. Nach ein paar Wochen haben wir Tari  gefragt, ob wir uns ein paar Bilder anschauen dürfen die sie gemalt hat. Daraufhin hat Tari gemeint, dass sie uns keine Bilder zeigen kann, weil ihre Mutter gesagt hat, sie muss die Bilder wegschmeißen, in der kleinen Wohnung sei kein Platz dafür. 

Tari liest auch sehr gerne und weiß, das lesen wichtig ist. Ihre Eltern unterschreiben ihr aber die Erlaubnis für den Bibliotheksausweis nicht, weil sie Angst haben, dass sie die Frist beim Zurückgeben übersehen und dann Geld zahlen müssen. Die Eltern können selbst nicht lesen und schreiben. Der Vater lernt gerade mühsam in einem Deutschkurs lesen, die Mutter lernt kein Deutsch, da sie sich um den vierten kleinsten Sohn, der noch nicht im Kindergarten ist, kümmern muss. Jetzt bringen wir Tari Bücher die wir bei ADRA als Sachspende erhalten haben. Tari ist so auch ein Vorbild für ihre Eltern, was ihren Lernwillen betrifft.

Von der Flucht der Familie aus dem Südwesten von Afghanistan reden wir gar nicht erst. Die Familie war drei Jahre zu Fuß unterwegs. Wenn man Tari fragt, woran sie denkt, wenn sie an die Flucht zurückdenkt, dann sagt sie: An die Kälte und an den Hunger. „Wir waren immer hungrig und fast immer war uns kalt.“ Wir von ADRA wünschen es dem Mädchen von Herzen, dass sie sich den Traumihres Lebens erfüllen kann und Kinderärztin wird. Wie hoch sind die Chancen das Tari einmal Kinderärztin werden kann? Nicht all zu hoch, wenn es nicht gelingt mit der gesamten Familie zu arbeiten und das Bewusstsein für die Bedeutung von Bildung zu schaffen. Es gibt eine Menge zu tun, um Tari und anderen jungen Mädchen zu helfen einmal ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Hierfür brauchen wir Deine Unterstützung, sei es in Form von Sachspenden wie Büchern oder Lernspielzeugen oder in Form von Zeitspenden für eine Lernbetreuung oder ganz simple in Form von finanzieller Unterstützung. 

Du möchtest bedürftige Familien in Österreich unterstützen? Dann schaue auf unsere Spendenseite und gebe „Hilfe für Österreich“ ein.

Mehr über die Arbeit von ADRA speziell in Österreich findet ihr hier.

*Name und persönliche Daten geändert