Reist mit uns in den Südwesten Ugandas, in die Region Kisoro. Kisoro liegt auf über 1.800m über dem Meer in einer von Hügeln geprägten Landschaft. Die undurchdringlichen Bwindi Wälder im Südwesten Ugandas gehören zu den Orten auf dieser Welt, die die größte Biodiversität aufzeigen. Eine Mischung exotischer Pflanzen und Tiere, zu denen auch die gefährdeten Berggorillas zählen.

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Gorillastatue in Kisoro Town

Über tausende Jahre waren diese Wälder auch die Heimat der Batwa Pygmäen – einer indigenen Volksgruppe dieser Region. 1992 veränderte sich das Leben der Batwa Pygmäen für immer. Die Bwindi Wälder wurden zu einem Nationalpark und Weltnaturerbe, um die 350 gefährdeten Berggorillas zu schützen, die in ihnen lebten. Die Batwa wurden aus dem Nationalpark vertrieben. Da sie keine Besitzrechte für Land besaßen, erhielten sie keine Entschädigung. Die Batwa wurden zu Flüchtlingen in einer ihnen fremden, nicht bewaldeten Welt. Die Entscheidung rief sehr starke Emotionen und Frustrationen unter den Batwa hervor, da sie empfanden, dass man sie schlechter behandle als die Gorillas. Seither gehören sie zu einer der ärmsten Volksgruppen auf der Welt. Die meisten von ihnen sind landlos und kämpfen jeden Tag darum, etwas zu essen zu haben. Sie werden in der Bevölkerung diskriminiert.

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Als die Batwa aus den Wäldern vertrieben wurden, waren sie alle Animisten. Sie lebten in Höhlen im Inneren der Wälder, wo sie jagten und wilde Früchte und Kräuter sammelten. Nachdem sie die Wälder verlassen mussten, konvertierte die Mehrheit von ihnen zum Christentum, eine kleinere Gruppe zum Islam und einige blieben Animisten, die immer noch zurück in die Wälder gehen, um dort zu beten und ihre Opfer zu bringen. Alle anderen Batwa haben einmal im Monat die Erlaubnis, in den Wald zu gehen, um dort wilde medizinische Pflanzen und Feuerholz zu sammeln.

Wir haben mit Sabit und Gaston gesprochen, die unsere beiden Projekte mit den Batwa leiten.

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Projektleiter Gaston im blauen Hemd mit den Batwa am Fuße des Mt. Mohabura – ein 4.127m hoher Vulkan.

Sabit und Gaston sind sehr glücklich und es erfüllt sie, mit den Batwa zu arbeiten, denn sie sehen all die positiven Entwicklungen im Leben der Männer, Frauen und Kinder.

Was sind die Probleme, die ihr innerhalb der Batwa-Siedlungen seht? 

Aufgrund ihrer verzweifelten Lage, ist der Konsum von Alkohol und Softdrogen hoch. In der Stadt schnüffeln sie mit Benzin. Es gibt Vergewaltigungen und sexuellen Missbrauch, Kinderehe, Schändung und geschlechtsspezifische Gewalt.

Was sind die Stärken und positiven Kennzeichen der Batwa?

Sie sind gute Künstler, können sehr gut singen, tanzen und Instrumente spielen. Sie passen sich leicht neuen klimatischen Bedingungen an, haben eine starke Gesundheit und sind belastbar. Sie haben enge Famileinbande, sind mobil und sehr verbunden mit der erweiterten Familie und Verwandschaft.

Was sind eure Herausforderungen in der Arbeit mit den Batwa?

Aufgrund ihrer Vergangenheit und der starken Ausgrenzung in der Gesellschaft sind sie sehr reserviert und misstrauisch. Sie haben etwa nach 3 Monaten begonnen, sich uns gegenüber zu öffnen und es ist ein langer Prozess, Vertrauen aufzubauen. Wann immer wir sie in den ersten paar Monaten trafen, bettelten sie um Nahrung, Geld, Getränke, Seife, Zucker, Salz und andere kleine Dinge, was schwierig für uns war. Wir haben ihnen diese Dinge nicht gegeben, damit der Entwicklungsprozess schneller geht und sie nicht abhängig von uns werden. Aber wir haben ihnen zum Beispiel ein Mittagessen gegeben, wenn sie an einem unserer Trainings teilgenommen haben, da sie an dem Tag nicht arbeiten konnten und daher nichts zu essen gehabt hätten. Einige Batwa waren uns gegenüber feindlich eingestellt und zogen eine Verbindung zwischen unserem Team und den Personen, die sie aus den Wäldern vertrieben haben. Batwa stigmatisieren alle Nicht-Batwa als Menschen, die ihren Stamm diskriminieren und es hat lange Zeit gebraucht, um ihre negativen Gefühle abzubauen. Eine weitere Herausforderung ist, dass viele auch aufgrund ihres Überlebenskampfes um Wasser und Nahrung jeden Tag nur unregelmässig an unseren Programmen teilnehmen.

Unter welchen Bedingungen leben die Batwa momentan?

Ihr Alltag ist immer noch der tägliche Überlebenskampf. Nachdem es Übereinkünfte mit Landbesitzern in der Region gab, haben sie die Erlaubnis, eine temporäre Hütte auf dem Land der Landbesitzer zu bauen. Im Gegenzug müssen die Batwa das Land ihrer Landbesitzer bebauen und bewachen. In ihrer wenigen freien Zeit gehen sie zur Nachlese auf Felder oder arbeiten als Tagelöhner. Einige Batwa haben Kontakt zu Tourismusunternehmen, und sie singen, tanzen und musizieren gegen einen kleinen Lohn. In den städtischen Gebieten gibt e simmer noch eine größere Zahl Batwa, die auf der Straße betteln. Sie sind konstant im akuten Überlebenskampf und nicht sicher, wann sie ihre nächste Mahlzeit einnehmen können.

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Einer der erfolgreichsten Gemüse-Anbauer in der Batwa Siedlung am Mt. Mohabura.

Was ist die schon sichtbare Wirkung eurer Arbeit in unseren Projekten?

  • Sie haben Vertrauen gegenüber Besuchern und Projektmitarbeitern gewonnen
  • Nachdem sie in der Vergangenheit Jäger und Sammler waren, haben sie heute gute landwirtschaftliche Kenntnisse gewonnen, um Felder und ihre eigene Nahrung anzubauen
  • Sie bauen Beziehungen zu ihren nicht-Batwa Nachbarn auf
  • Sie haben gelernt, ihre Stimme zu erheben und wissen, wohin sie gehen müssen, um für ihre Rechte einzutreten. Und sie tun dies auch.
  • Sie sind zu rechtlichen Fragen sensibilisiert und wissen, was richtig und falsch ist.
  • Wenn die Regierung unterstützende Programme anbietet, bewerben sie sich und nehmen daran teil.
  • Sie planen nur mit den Ressourcen, die sie haben. Sie machen keine Schulden oder leben jenseits ihrer Verhältnisse.