Es ist Sonntagmorgen, der 8. Jänner 2017. Zu Hause wachen wir im „Iglu“ auf (Name unseres Schlafzimmers, wenn die beiden Dachflächenfenster von Schnee bedeckt sind). Ein Blick aufs Thermomenter bestätigt die Info auf dem Handydisplay: Draußen ist es -10°C kalt. Ich bin dankbar für die Heizung, die wir anstellen können und drehe mich noch einmal unter der warmen Decke um.

Es ist 7 Uhr und das Handy klingelt. Im Team der „Säulengasse“ hat einer der freiwilligen Helfer nachts noch abgesagt – jetzt in der Grippesaison nicht der einzige. Es fehlt noch mindestens ein Helfer, denn morgens um 8 Uhr erwartet Ferdinand Hartl, unser Projektleiter, ein volles Haus. Bei dieser Kälte sind die Wärmeunterkünfte bis um 8 Uhr offen, aber danach müssen diejenigen, die in einer Notunterkunft übernachtet haben, „raus“. Duschen im Speedtempo, Auto vom Schnee befreien und auf geht es in den 9. Bezirk.

Im Eingangszimmer wartet schon eine ganze Gruppe an Männern und Frauen. Ab 8 Uhr gibt es Frühstück, danach wird ADRAs Sozialzentrum bis 17 Uhr geöffnet haben, um Wohnungslosen und jedermann, der sonst einen Aufenthaltsort sucht, eine Anlaufstelle zu bieten. Fröhlich werden wir begrüßt. Janka, eine unserer treuen Helferinnen, die wir als Besucherin kennengelernt haben, sitzt im Rollstuhl. Mit dem Wischmopp in der Hand trocknet sie sofort alle Tauwasserpfützen auf.

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In der Küche sind neben Ferdinand schon Silvia, Shakli und Kebir. Sie haben seit viertel nach sieben belegte Brote und Semmeln hergerichtet.

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Ferdinand zeigt uns die Lebensmittel, die das Team am Vorabend bei HOFER abgeholt hat. Meine Aufgabe ist es, für ca. 60 Personen Salat vorzubereiten, schon für’s Mittagessen. Dazu gibt es – noch gut gekühlt – die Lebensmittelspende einer Großküche. Eiernockerln, Nudelauflauf, Erdäpfelstrudel und für die, die Fleisch essen, Kalbsbraten. Aber erstmal: Frühstück.

Kurz nach acht öffnet sich die Tür und schnell ist der ganze Raum besetzt. Ferdinand und Helfer nehmen die Wünsche der Gäste entgegen. Süße oder salzige Brote, Tee, Kaffee mit Milch, Zucker oder ohne. Und schnell verlassen sie mit beladenen Tellern und dampfenden Bechern wieder die Küche. Ich höre draußen im Saal fröhliche Stimmen, eine ruhige, und entspannte Atmosphäre. Auch in der Küche. Hier bin ich dabei, 4 gespendete Chinakohlköpfe kleinzuschnippeln, Marcel schält Orangen, dazu kommen dann Schachteln voller Sprossen – auch die sind im Supermarkt übriggeblieben. Ein Vitaminsalat passend zum kalten Wetter.

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Zwischendurch bringen Kebir und Shakli schon gebrauchtes Geschirr in die Küche und wir sind dankbar für die Industriespülmaschine, die seit etwa einem Jahr dank einer Spende installiert werden konnte. Die erleichtert das Spülen sehr und ist vor allem schnell. Wichtig, wenn bis zu 100 Personen zum Frühstück kommen.

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Um 9 Uhr trifft Angelika ein. Sie hat bei einer Großbäckerei in Strasshof Kistenweise feines Gebäck abgeholt, das aus den Filialen zurückging. Wegen dem Schnee ist sie etwas später dran. Nun gibt es zum Brot noch einige süße Stücke und sie packt mit Ferdinand zusammen Sackerl mit Gebäck, die unsere Besucher mitnehmen können. Etwas süßes ist gerade in der kalten Jahreszeit als Energielieferant beliebt.

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Ausnahmsweise war gestern recht wenig Brot dabei – so fangen wir schon um halb 10 an, den Erdäpfelstrudel im Ofen aufzuwärmen.

Der Salat ist fertig. Wir müssen weiter, sind bei Freunden zum Frühstück eingeladen und werden von den Besuchern mit einem herzlichen „Alles Gute, Danke!“ verabschiedet.

Es war so eine herzliche Atmosphäre im Team, in der Säulengasse. Es hat Freude gemacht, das Essen vorzubereiten und das wunderbare Frühstück, zu dem wir dann eingeladen waren, hat gerade doppelt so gut geschmeckt – gepaart mit der Freude, auch anderen ein Essen vorbereitet zu haben.

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Ein großes Dankeschön an alle Helfer! Macht weiter so!

Wenn Sie die Arbeit und dieses wichtige Projekt in Wien in der Säulengasse unterstützen möchten, können Sie dies hier tun! Wir freuen uns über jede Spende! Herzlichen Dank!

Eure Corinna Wagner