Liepāja (auf deutsch Libau) ist eine Hafenstadt an der Ostsee im Westen Lettlands. Die Stadt hat über die Jahrhunderte eine bewegte Geschichte. Hier könnt ihr etwas mehr darüber lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Liepāja

Wir fahren vorbei an leerstehenden ehemaligen Militärgebäuden, großen Plattenbausiedlungen, sehen einen Streifen der zu dieser Jahreszeit grauen Ostsee, fahren an einer beeindruckenden Orthodoxen Kirche vorbei.

Gleich sollen wir hier in einem Park am See eine Gruppe Kinder aus einer benachbarten Stadt treffen, die heute einen besonderen Ausflug machen durften. Es sind Kinder aus sozial schwachen Familien, die schon seit längerem durch Frau Gaida liebevoll in deren Freizeit betreut werden. Am Morgen haben die Kinder das Gefängnismuseum besichtigt. Das bedrückende Gefühl einer Zelle erlebt. Nun dürfen sie im Wald beim Spielen die Freiheit erleben. Der Kontrast ist bewusst gewählt.

Bis der Bus mit den Kindern eintrifft, unterhalten wir uns am Straßenrand mit einer alten Dame – jeden Tag kommt sie hierher und füttert die Katzen.

Und dann sind die Kinder da. Die Bustüren öffnen sich und die Kinder strömen hinaus, erobern das Klettergerüst, spielen Fangen zwischen den Bäumen.

Ein Lagerfeuer brennt und daneben bereiten Helfer der örtlichen Kirchengemeinde das Mittagessen zu. Es wird Kartoffelsalat geben (russisch, mit Mayonnaise, Erbsen und Karotten), vegetarische Plätzchen, gutes lettisches Schwarzbrot, gefüllte Teigtaschen und dann noch leuchtend orangene Kürbis-Kuchenstücke. In einem großen dampfenden Topf wartet heißer Tee auf kalte Kinderhände.

Gaida und ihre Helfer haben Spiele vorbereitet, die die Kommunikation unter den Kindern trainieren sollen. So müssen sich jeweils kleine Gruppen im Kreis an den Händen fassen als Kreis von A nach B laufen. Innerhalb des Kreises ist es ihre Aufgabe, einen Fußball mit ihren Füßen mitzubewegen. Es sind Kinder, die im Alltag oft ausgegrenzt sind. So möchten Gaida und ihre Helfer sie stärken, motivieren und ihnen Zukunftsträume vermitteln.

Es folgen einige gemeinsam gesungene Lieder, und dann gibt es endlich das Mittagessen, das die Kinder schon gründlich inspiziert haben. Alle drängen sich ums Feuer, um sich aufzuwärmen. Es ist feucht kalt. Aber trocken. Kurz bevor wir ankamen hat es geregnet und das Moos am Boden tropft vor Feuchtigkeit.

Nach einigen weiteren Spielen ist es endlich so weit. Auf einer großen Plastikplane werden eure Weihnachtspakete aufgebaut, auf die die Kinder schon lange gewartet haben. Alle sind schon mit Namen beschriftet, die dann der Reihe nach vorgelesen werden. Während der Paketübergabe fängt es wieder an zu tröpfeln, so packt jedes Kind ganz schnell sein Paket – es gibt ein großes, fröhliches „Paldies“ („Dankeschön“) an uns für euch, und die Kinder rennen zum Bus, der auf sie wartet.