Flüchtlinge in der Corona-Krise nicht vergessen

Am 20. Juni 2020 ist der Weltflüchtlingstag. Der Weltflüchtlingstag ist ein internationaler Tag, der von den Vereinten Nationen zum Gedenken an Flüchtlingen auf der ganzen Welt festgelegt wurde. Er findet jedes Jahr am 20. Juni statt und gedenkt der Stärke und des Mutes von Menschen, die gezwungen wurden, aus ihrem Heimatland zu fliehen, um Konflikten oder Verfolgung zu entkommen. 

Mehr als die Hälfte der weltweit über 70 Millionen Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche.

Eine steigende Zahl von ihnen ist unbegleitet oder von ihren Eltern getrennt unterwegs und mit vielen Risiken konfrontiert. Beim diesjährigen Weltflüchtlingstag wollen wir daher einen besonderen Focus auf Flüchtlingskinder legen.

Dank eures ehrenamtlichen Engagements und eurer Spenden kann ADRA in Österreich gemeinsam mit euch vielen Menschen auch in Österreich bei der Integration in ein neues Leben helfen:

Die ADRA Integrationshilfe Mödling bietet seit über 10 Jahren eine Hausaufgabenhilfe für Flüchtlingskinder aus Familien mit positiven Asylbescheid an.

Im ADRA Sozialzentrum Wien Säulengasse gibt es Deutschkurse, welche eine wichtige Voraussetzung für die sprachliche Integration sind. Zur Zeit besuchen über 20 Personen unsere Kurse.

Das ADRA-Zentrum für Familien und Begegnung in Mistelbach betreut ebenso mehrere Flüchtlingsfamilien. 

Heute möchten wir euch von einem 11-jährigen Afghanischen Mädchen berichten.

Das Mädchen, nennen wir sie Tari* (*Name geändert), ist unglaublich ehrgeizig und möchte einmal Kinderärztin werden. Tari lernt deshalb brav und geht dreimal die Woche zu einer Dame, die ihr ehrenamtlich Nachhilfe gibt. Zuhause ist das Lernen für sie aber sehr schwer. Die Familie wohnt zu sechst auf knapp 60 m² und sie hat nirgends einen Platz wo sie in Ruhe lernen kann. In der Schule wird sie von den Mitschülern gemobbt aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe, die Lehrerin unternimmt nicht wirklich etwas dagegen. Trotzdem sehnt sich Tari immer nach dem Ende der Ferien, um wieder in die Schule gehen zu können. Denn Zuhause deckt sie ihre Mutter Alma* immer nur mit Hausarbeit ein. Deshalb holen unsere ADRA Mitarbeiter sie manchmal zu sich nach Hause, damit sie spielen kann, einfach mal Kind sein kann.

Tari hat einen unglaublichen Wissenshunger. Die Eltern haben aufgrund mangelnder Schulbildung relativ wenig Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder. Die Kinder dürfen kaum Spielzeug haben, weil die Mutter meint, das Spielzeug nur Unordnung macht. Der sehnliche Wunsch von Tari waren Wassermalfarben, weil sie gerne kreativ tätig ist. Die Eltern haben ihr nie Farben gekauft, weil sie für so etwas kein Geld ausgeben wollen. Unsere ADRA Kollegen haben Tari nun Wasserfarben gekauft. Tari hat sich sehr gefreut.

Tari liest auch sehr gerne und weiß, dass Lesen wichtig ist. Ihre Eltern unterschreiben ihr aber die Erlaubnis für den Bibliotheksausweis nicht, weil sie Angst haben, dass sie die Frist beim Zurückgeben übersehen und dann Geld zahlen müssen. Die Eltern können selbst nicht lesen und schreiben. Der Vater lernt gerade mühsam in einem Deutschkurs lesen, die Mutter lernt kein Deutsch, da sie sich um den vierten kleinsten Sohn, der noch nicht im Kindergarten ist, kümmern muss. Jetzt bringen wir Tari Bücher, die wir bei ADRA als Sachspende erhalten haben. Tari ist so auch ein Vorbild für ihre Eltern, was ihren Lernwillen betrifft.

Wir freuen uns sehr, dass jetzt im Sozialzentrum Wien Säulengasse auch viele Mütter am Deutschkurs teilnehmen.

Die Flucht der Familie aus dem Südwesten Afghanistans war schwer. Die Familie war drei Jahre zu Fuß unterwegs. Wenn man Tari fragt, woran sie denkt, wenn sie an die Flucht zurückdenkt, dann sagt sie: An die Kälte und an den Hunger. „Wir waren immer hungrig und fast immer war uns kalt.“ Wir von ADRA wünschen es dem Mädchen von Herzen, dass sie sich den Traum ihres Lebens erfüllen kann und Kinderärztin wird. Wie hoch sind die Chancen das Tari einmal Kinderärztin werden kann? Nicht all zu hoch, wenn es nicht gelingt mit der gesamten Familie zu arbeiten und das Bewusstsein für die Bedeutung von Bildung zu schaffen.

Es gibt eine Menge zu tun, um Tari und anderen jungen Mädchen zu helfen, einmal ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Dank eurer Unterstützung, sei es in Form von Sachspenden wie Büchern oder Lernspielzeugen, oder in Form von Zeitspenden für eine Lernbetreuung, oder ganz simpel in Form von finanzieller Unterstützung der langfristigen Projekte in Österreich und im Ausland können wir dies gemeinsam möglich machen und Leben verändern.

Bildung ist der Schlüssel einer erfolgreichen Flüchtlingsarbeit

Mehr als 5,6 Millionen Syrerinnen und Syrer, darunter über 2,5 Millionen Kinder, mussten ihre Heimat verlassen und sind in Jordanien, im Libanon, Ägypten, dem Irak und der Türkei als Flüchtlinge registriert. Weitere 6,2 Millionen Syrerinnen und Syrer leben als Vertriebene im eigenen Land. Gemäss UNICEF benötigen dort 60 Prozent der Kinder humanitäre Hilfe, zwei Millionen Kinder können keine Schule besuchen und 3,3 Millionen Kinder sind der ständigen Gefahr durch Minen ausgesetzt.

In einer Kooperation mit Nachbar in Not und dem Arbeiter-Samariter-Bund unterstützen ADRA Österreich und ADRA Syrien auch durch eure Spenden den Wiederaufbau von zerstörten Schulen in der Stadt Quneitra in Syrien.

Neben Krieg, Vertreibung, Tod, Hunger und Gewalt bedroht nun zusätzlich ein unsichtbarer Feind die ohnehin schon leidgeprüfte Bevölkerung, denn das Coronavirus beginnt sich auch in Syrien auszubreiten. Mangelhafte hygienische Bedingungen begünstigen die Ausbreitung des Virus zusätzlich. Aufgrund der Pandemie wurden in Syrien wie in Österreich die Schulen komplett geschlossen. Psychologischer Stress bei den Kindern ist die Folge. Der Krieg hat aber auch andere Tragödien wie Kinderarbeit und Kinderheirat begünstigt. Bildung ist die Voraussetzung, um den Kreislauf der Armut zu durchbrechen. Eine solide schulische Grundausbildung steigert die Chancen, den Umstieg auf weiterführende Ausbildungswege besser zu bewältigen und somit die Grundlage für den erfolgreichen Einstieg in das spätere Berufsleben zu schaffen.

Dank eurer Spenden werden zerstörte Klassenzimmer saniert, Fenster und Türen eingebaut. Ebenso werden die Klassenzimmer mit Schulmöbeln ausgestattet und die zerstörte Elektrik wird wiedererrichtet. Besonderes Augenmerk wird auch daraufgelegt, Rampen zu den Schulgebäuden zu bauen, damit Kindern mit Gehbehinderungen (deren Zahl aufgrund des Krieges stark gestiegen sind) die Schule besuchen können. Darüber hinaus soll die kindgerechte Gestaltung der Klassenräume den Kindern eine angenehme und sichere Atmosphäre bieten, damit sie sich gezielt auf den Unterricht konzentrieren können.

Insgesamt 1.645 Kinder können dann auch dank eurer Unterstützung wieder die Schule besuchen.

Wie werden diese Kinder durch eure Unterstützung aufblühen, wenn sie im Klassenzimmer einen gewaltfreien Raum finden und wieder ungestört lernen und Zeit mit Gleichaltrigen verbringen können!

Wenn auch du am heutigen Weltflüchtlingstag gemeinsam mit ADRA Familien und Kindern auf der Flucht helfen möchtest, geht dies ganz einfach auch online auf:

www.adra.at/spenden

16.06.2020