Noch heute höre ich die Stimme meiner Volksschullehrerin, Maria, „..und dieser Tag ist ein ganz besonderer Tag im Leben eines Mädchens, denn ab diesem Zeitpunkt ist es eine Frau!“

Mädchen, wie Maureen Koni (14) werden Maria kaum zustimmen. Für sie hat sich das Frau-Sein zu einer Herausforderung entwickelt. „Meine größte Sorge ist, dass ich irgendwo Binden herbekomme. Letztes Monat habe ich welche von meiner Freundin verwendet, die sie schon benutzt hat.“ erzählt sie. Monat für Monat zerbricht sie sich den Kopf darüber, wie sie ihre nächste Periode bewältigen wird.

„Wenn Du keine Schwester oder Freundin hast, die Dir aushelfen kann, wird es kompliziert.“ erzählt Jessica Mura (16).

Mir wird schlecht, wenn ich von solchen Schicksalen erfahre. Wenn ich daran denke, welche Schmerzen mich begleiten, wenn ich meine Periode habe und wie unwohl ich mich als Frau fühle, möchte ich mir nicht vorstellen, wie sich diese jungen Mädchen fühlen müssen, die in ihrer Verzweiflung gebrauchte Binden verwenden.

Diese Umstände sind kein Einzelfall, tatsächlich geht es sogar noch schlimmer.

Der Bezirk Kanyemba im Norden Simbabwes wird als ein vergessener Bezirk beschrieben, er gilt als unterentwickelt und marginalisiert. Durch die Armut und die hohe Arbeitsauslastung zu Hause, haben die meisten Frauen keine Ausbildung.

Wenn dann der Zeitpunkt eintritt in dem der Körper, der jungen Frauen beginnt erwachsen zu werden, gibt es niemanden an den sie sich wenden können, denn auch ihre Mütter haben in diesen Belangen keinerlei Aufklärung erfahren.

Als ich von diesem ADRA-Projekt erfahren habe, ist mir bewusst geworden, dass ich mich nie ernsthaft mit diesem Thema und der daraus resultierenden Problematik auseinandergesetzt habe. Man denkt überhaupt nicht darüber nach, wie Frauen, die in solch einer Armut leben ihre Menstruationshygiene bewältigen.

Was für diese Frauen und Mädchen jeden Monat aufs Neue zur Herausforderung wird ist für uns ein ganz selbstverständlicher und unkomplizierter Prozess. Junge Mädchen freuen sich auf diesen Tag, er wird vielleicht sogar gefeiert. Die Tatsache, dass viele Mädchen in armen Regionen nichts anderes zur Verfügung haben als alte Stofffetzen, Erde oder Kuhdung hat mich erschüttert. Wie soll sich so ein junges Mädchen fühlen, wenn es mit Substituten wie Kuhdung zwischen seinen Beinen mehrere Kilometer zur Schule gehen muss? Als erwachsene Frau ist solch eine Methode kaum zu bewerkstelligen, für ein 13-jähriges Mädchen ist sie schlichtweg unzumutbar.

Dass es darüber hinaus an den Schulen keine angemessenen Toiletten und Hygieneinfrastruktur gibt, erschwert es den Mädchen zusätzlich. Der einzige Ausweg: Schulabbruch.

So kommt es natürlich, dass auch den älteren Frauen in der Dorfgemeinschaft, von denen man vielleicht erwartet, den jüngeren Frauen in dieser Situation zu helfen und sie über die biologischen Abläufe der Menstruation aufzuklären, das nötige Wissen fehlt. Denn auch sie haben in jungen Jahren aus Scham die Schule abgebrochen.

Dadurch, dass es den Frauen und Mädchen an dem nötigen Wissen und den notwendigen Hygienebinden fehlt, greifen sie auf dieses unhygienische Material zurück.

85% der Doma benutzen zum Baden und Waschen unbehandeltes Wasser aus dem Fluss. Dass die Flüsse auch von wilden Tieren als Wasserquelle genutzt werden, hält die Doma nicht davon ab dieses Wasser auch zum Kochen und Trinken zu verwenden.

Ihre Unwissenheit und der Mangel an Bildung führt die Dorfbevölkerung in die absolute Armut und bringen Krankheiten und Todesfälle mit sich. Es ist natürlich keine großartig neue Erkenntnis, dass solche Probleme häufig auf mangelnde Bildung bzw. den Mangel an den notwenigen Bildungseinrichtungen zurück zu führen ist. Dass allerdings die simple Tatsache, dass ein Mädchen zur Frau wird ein Hindernis sein kann um Bildung zu empfangen ist in meinen Augen ein massives Problem, das schlichtweg inakzeptabel ist.

Hier offenbart sich ganz offensichtlich ein Teufelskreis. Denn würden die Frauen in dieser Region genügend Bildung erfahren, dann wüssten sie, dass dieser Prozess, der ihnen widerfährt vollkommen natürlich und normal ist. Sie wüssten wie sie damit umgehen, könnten eine Ausbildung absolvieren um anschließend Einkommen zu generieren, welches es ihnen ermöglichen würde die notwendigen Hygieneartikel zu besorgen. Mit Hilfe dieser Hygieneartikel könnten ihre Töchter sorgenfrei die Schule besuchen. Sie wüssten, wie Hygienepraktiken funktionieren, würden lernen sauberes Wasser zu verwenden und dadurch ihre Krankheiten reduzieren. Ihre Lebenserwartung würde viel höher, so könnten sie ihren Töchter mentale Unterstützung in dieser besonderen Lebensphase sein.

 

 

ADRA möchte diesen Teufelskreis durchbrechen. Ziel unseres Projektes ist es daher die Hygienepraktiken und den Zugang zu sicherem Trinkwasser zu verbessern, außerdem möchten wir die Einkommenssituation der Jugendlichen verbessern indem wir für eine wirtschaftliche Entwicklung der Region sorgen.

Hierfür wird den Frauen und Mädchen ein erstes Set an Material zur Verfügung gestellt, um die Verwendung zu üben und selber wiederverwertbare Hygienebinden als Einkommensgrundlage zu nähen.

Da die Menstruation in der Gesellschaft bislang nicht offen thematisiert wird, ist eine Produktion plus Verkauf der Hygienebinden untereinander im privaten Kontext unter den Mädchen und Frauen angemessen. Im Sinne der Nachhaltigkeit sind wiederverwertbare Binden ideal, da sie mindestens 1 Jahr lang (nach waschen und abkochen) verwendet werden können. Diese Vorgehensweisen senkt Kosten, reduziert nicht abbaubaren Müll und schützt so die Umwelt.

Menstruationshygiene kann nur gewährleistet werden, wenn Wasser und Seife zum Waschen der Hygienebinden verfügbar sind. Die Doma in Kanyemba verwenden bislang keine und haben außerdem kaum Zugang zu Seife. So ist es Strategie des Projekts, sie in der Seifenproduktion für den Eigenbedarf aber auch als Einkommensmöglichkeit für den Verkauf unter den Familien im Dorf auszubilden. In weiterer Folge bestünde auch die Möglichkeit diese Seifen an nahegelegene Hotels oder Wildlife-Safari-Resorts zu verkaufen.

 

Insgesamt 800 Jugendlichen soll im Rahmen dieses Projekts geholfen werden.

 

Hier erfahrt Ihr, wie Ihr konkret helfen könnt!

Mit nur 14€ unterstützt Ihr eine junge Frau mit einem Hygienepaket.

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Astrid Aschenbrenner